14 Jahre nach dem Kölner Archiv-Einsturz: Warum die Wunde noch immer blutet
Ariane Holzapfel14 Jahre nach dem Kölner Archiv-Einsturz: Warum die Wunde noch immer blutet
Ein verheerender Einsturz im Jahr 2009 zerstörte das historische Stadtarchiv Kölns, forderte zwei Menschenleben und vernichtete jahrhundertealte Dokumente. Die Katastrophe ereignete sich während des Baus der Nord-Süd-U-Bahn-Linie und legte eklatante Mängel in der Aufsicht und Sicherheit offen. Vierzehn Jahre später ist die Baustelle immer noch nicht fertiggestellt, und die juristischen Folgen wurden erst kürzlich abgeschlossen.
Der Einsturz geschah, als sich unter dem Archiv ein gewaltiger Grundwasserkrater auftat und das Gebäude verschlang. Zwei junge Männer, die in benachbarten Häusern lebten, kamen ums Leben, als der Boden unter ihnen nachgab. Im Archiv selbst wurden 1,7 Millionen Dokumente – Zeugnisse von 1.000 Jahren Kölner Geschichte – unter den Trümmern begraben.
Spätere Ermittlungen deckten auf, dass kritische Stahlträger vor dem Einsturz gestohlen und an einen Schrotthändler verkauft worden waren. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), die über keine Erfahrung in der Leitung solcher Projekte verfügten, waren für die Bauaufsicht verantwortlich. Trotz dieser Versäumnisse wurden die Arbeiten an der U-Bahn-Linie fortgesetzt; erst jetzt werden provisorische Betonstützen entfernt.
Bei den Bergungsarbeiten konnten zwar viele Dokumente aus den Trümmern gerettet werden, doch ihre Restaurierung wird voraussichtlich bis 2050 dauern. Experten schätzen, dass ein Drittel des Archivs für immer verloren ist. Die Baustelle selbst ist noch immer teilweise verfüllt, von Gestrüpp überwuchert und ungelöst. Die Aktivistengruppe ArchivKomplex setzt sich seit 2011 für ein würdevolles Mahnmal zur Erinnerung an die Katastrophe ein.
Die juristischen Verfahren wurden erst 2024 abgeschlossen. Einige Angeklagte mussten finanzielle Strafen zahlen, andere wurden aufgrund von Verfahrensfehlern und fehlender direkter Verantwortung für den Einsturz freigesprochen.
Der Einsturz von 2009 tilgte unwiederbringliche Aufzeichnungen und kostete Menschen das Leben – doch die Folgen wirken bis heute nach. Die Restaurierung der geretteten Dokumente wird sich über Jahrzehnte hinziehen, und die Baustelle bleibt eine sichtbare Narbe in der Stadt. Nun, da die Rechtsstreitigkeiten beendet sind, rückt die Frage in den Fokus, wie Köln an diese Katastrophe erinnern und zukünftig ähnliche Tragödien verhindern will.






