489 Missbrauchsfälle im Erzbistum Paderborn: Neue Studie vertieft den Skandal
Ariane HolzapfelBischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - 489 Missbrauchsfälle im Erzbistum Paderborn: Neue Studie vertieft den Skandal
Eine neue Studie hat 489 Fälle von sexuellem Missbrauch im Erzbistum Paderborn zwischen 1941 und 2002 aufgedeckt. Der Bericht nennt 210 beschuldigte Täter und vertieft damit den anhaltenden Skandal in der katholischen Kirche Deutschlands. Bischof Udo Markus Bentz hat sich in Reaktion auf die Erkenntnisse öffentlich bei den Opfern um Vergebung gebeten.
Der Missbrauchsskandal in der deutschen katholischen Kirche war erstmals 2010 ans Licht gekommen. Seither untersuchen Bistümer bundesweit historische Fälle und zahlen Entschädigungen an Überlebende. Bis Donnerstag wurden insgesamt 93 Millionen Euro an Betroffene ausgezahlt.
Bischof Bentz bezeichnete die jüngsten Erkenntnisse als Beleg für das institutionelle Versagen der Kirche. Er erkannte das Ausmaß des Leidens an und wiederholte seine Entschuldigung an die Opfer. Reinhold Harnisch, Sprecher eines Opferverbands, begrüßte zwar die Worte des Bischofs, betonte jedoch die Notwendigkeit weiterer Schritte.
Das Erzbistum Paderborn kündigte an, seine unabhängigen Untersuchungen fortzusetzen – mit besonderem Fokus auf die Rolle von Kardinal Johannes Joachim Degenhardt. Thomas Wendland, der Missbrauchsbeauftragte des Bistums, bestätigte, dass kurz vor Veröffentlichung der Studie eine nicht damit zusammenhängende Äußerung über Degenhardt gefallen war. Harnisch unterstützte zudem Forderungen, Straßen umzubenennen, die nach Kardinal Degenhardt und Kardinal Jaeger benannt sind – beide stehen im Verdacht, Missbrauch vertuscht zu haben.
Der Bericht fügt sich in die wachsende Beweislage zu systematischem Missbrauch innerhalb der deutschen Kirche ein. Überlebende haben bisher 93 Millionen Euro an Entschädigungen erhalten, während das Erzbistum Paderborn verspricht, die Ermittlungen zu intensivieren. Weitere Maßnahmen, darunter mögliche Umbenennungen öffentlicher Orte, die mit beschuldigten Kardinälen verbunden sind, werden nun diskutiert.