90-Jährige muss bis 30. April ihre Wohnung räumen – trotz lebenslanger Heimat
Hans-Theo Kuhl90-Jährige muss bis 30. April ihre Wohnung räumen – trotz lebenslanger Heimat
Fünf Wohnungskomplexe in Dortmund werden vom Vermieter Volkswohlbund abgerissen, wodurch alle 36 Haushalte ihre Wohnungen räumen müssen. Das Unternehmen begründet dies mit wirtschaftlicher Unrentabilität der Gebäude, doch Mieter und Wohnungspolitiker widersprechen dieser Darstellung. Betroffen ist auch die 90-jährige Lieselotte Hoeber, die trotz der Herausforderungen eines Umzugs in ihrem Alter bis zum 30. April ausziehen muss.
Der Volkswohlbund hat allen Haushalten in den fünf Gebäuden identische Kündigungen wegen wirtschaftlicher Gründe zugestellt. Rechtsexperten zweifeln jedoch an, ob diese Kündigungen mit den Mieterschutzgesetzen vereinbar sind. Unterdessen hat das Unternehmen bereits drei der Blöcke abgerissen; die verbleibenden beiden sollen bald folgen.
Der Mieterverein argumentiert, dass notwendige Sanierungen durch moderate Mietpreiserhöhungen hätten finanziert werden können, statt die Mieter zu vertreiben. Als Beispiel verweisen sie auf benachbarte Gebäude desselben Vermieters, die erfolgreich modernisiert statt abgerissen wurden. Einige der vertriebenen Mieter sollen in diese renovierten Wohnungen gezogen sein – Gerüchten zufolge mit undurchsichtigen finanziellen Anreizen des Volkswohlbunds.
Die Unterstützung für die Betroffenen ist geschwunden: Nur eine kleine Solidaritätsgruppe protestiert noch vor Ratssitzungen. Die meisten lokalen Politiker und Stadtplaner stehen hinter den Abrissplänen, sodass den Anwohnern kaum rechtliche Handlungsmöglichkeiten bleiben. Lieselotte Hoeber, die seit Jahrzehnten in ihrer Wohnung lebt, steht nun vor der schwierigen Aufgabe, mit 90 Jahren ein neues Zuhause zu finden.
Der Volkswohlbund plant, anstelle der abgerissenen Gebäude neuen Wohnraum zu schaffen. Kritiker fragen jedoch, warum bestehende Wohnungen nicht erhalten bleiben konnten, wo doch in derselben Nachbarschaft ähnliche Sanierungen erfolgreich umgesetzt wurden.
Bis zum 30. April müssen alle verbleibenden Mieter ihre Wohnungen verlassen. Die Abrisse ebnen den Weg für Neubauten, doch der Prozess hat langjährige Bewohner wie Lieselotte Hoeber mit wenig Rückhalt zurückgelassen. Da rechtliche Wege versperrt und die politische Unterstützung für die Pläne des Vermieters gesichert ist, bleibt die Zukunft der vertriebenen Haushalte ungewiss.