Angélica Liddells provokantes Seppuku feiert Uraufführung in Wien
Ariane HolzapfelAngélica Liddells provokantes Seppuku feiert Uraufführung in Wien
Angélica Liddell hat bei den Wiener Festwochen ihre neueste Performance Seppuku: Die Beisetzung Mishimas oder die Lust am Sterben uraufgeführt. Das Stück erkundet das Leben jener, die sich für den Freitod entschieden haben, inspiriert von dem Suizid einer Frau, den Liddell einst auf Madrids Gran Vía miterlebte.
Die zweistündige Produktion beginnt damit, dass Liddell und eine japanische Mitspielerin sich auf der Bühne Blut abnehmen und es vermischen. Sie spritzen es auf eine Leinwand – ein drastischer Auftakt. Die Aufführung entwickelt sich mit abrupten Unterbrechungen und Momenten schwarzem Humor.
Liddells Ensemble Atra Bilis Teatro sammelte Kleidungsstücke Verstorbener für die Inszenierung. Auf der Bühne schlüpft sie in die Rollen und Todesgeschichten Fremder, indem sie deren Kleidung trägt. Sie verwebt diese Schicksale mit dem von Yukio Mishima, dem japanischen Schriftsteller, der seinen rituellen Suizid inszenierte.
Der Höhepunkt zeigt Liddell in einer ekstatischen Verteidigung der Selbsttötung. Zuvor spielt sie Mishimas rituellen Tod vor einem Hintergrund aus 250 vergoldeten Fliesen nach – eine Anspielung auf einen japanischen Tempelgarten. Die Produktion erinnert an Mythen des Alltags, ein weiteres ihrer Werke, das ebenfalls bei dem Festival Premiere feierte.
Die Performance verbindet persönliche Tragödien, historische Nachstellungen und rohe Theatralik. Sie konfrontiert das Publikum mit einer schonungslosen Darstellung von Tod und Ritual. Die Uraufführung unterstreicht einmal mehr Liddells provokantes und mutiges Schaffen.






