29 April 2026, 20:13

"Biss" im Fußball: Warum Aggressivität nicht immer zum Sieg führt

Schwarz-weiß-Zeichnung aus einer Zeitung von einem Fußballspieler in Uniform, der einen Ball tritt, mit dem Wort 'Fußball' darunter.

"Biss" im Fußball: Warum Aggressivität nicht immer zum Sieg führt

Fußballtrainer und Spieler sprechen oft von der Notwendigkeit von "Biss" auf dem Platz. Doch was bedeutet es wirklich, "bissig" zu sein – und bringt es überhaupt etwas?

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Aktuelle Äußerungen von Trainern und Athleten haben die Debatte neu entfacht, ob nun Aggressivität oder Können den Erfolg im Fußball bestimmt. Julian Nagelsmann forderte kürzlich von der deutschen Nationalmannschaft "Gier und Biss" vor dem Spiel gegen Nordirland. Seine Forderung spiegelt eine weitverbreitete Überzeugung im Fußball wider: dass Sieg einen fast feindseligen Mindset erfordert. Joshua Kimmich pflichtete dem bei und beschrieb sich selbst als "bissiger, zäher, gnadenloser" – eine Einstellung, die er für seine Leistungen verantwortlich macht.

Doch nicht alle teilen diese Meinung. Ein Team demontierte kürzlich Bayer Leverkusen mit 7:0, ohne dabei erkennbaren "Biss" zu zeigen. Stattdessen setzten sie auf Technik, Präzision und eiskalte Effizienz. Das wirft die Frage auf, ob Aggressivität wirklich der Schlüssel zum Erfolg ist.

Die Fußballsprache bedient sich oft extremer Begriffe. Spieler und Experten bezeichnen Mannschaften als "ekelhaft" im Spiel, was auf unerbittlichen Druck und körperliche Überlegenheit hindeutet. Selbst Arminias Aufstieg wird darauf zurückgeführt, im Laufe der Zeit "viel bissiger" geworden zu sein. Doch die Wissenschaft erzählt eine andere Geschichte: Bitterkeit und Hunger schließen sich aus. Galle, die für das bitteren Gefühl sorgt, wird nach dem Verzehr fetthaltiger Speisen produziert – kaum die Ernährung eines hungrigen Athleten.

Sogar Maximilian Philipp sah sich bei SC Freiburg Kritik ausgesetzt, weil er im Training nicht bissig genug gewesen sein soll. Der Widerspruch ist offenichtlich: Wie kann ein Spieler gleichzeitig hungrig nach Erfolg sein und dabei Biss zeigen?

Die Fixierung auf Biss ist kein neues Phänomen. Ekel war bereits ein zentrales Thema in Jean-Paul Sartres Roman "Die Übelkeit" von 1938, lange bevor der Begriff zum Fußball-Schlagwort wurde. Heute wird er von Spielern eingefordert – ob sinnvoll oder nicht.

Die Diskussion über Biss im Fußball wird so schnell nicht verschwinden. Manche Teams gedeihen durch Aggressivität, andere beweisen, dass reines Können ausreicht, um zu dominieren. Fürs Erste müssen Spieler und Trainer sich entscheiden: Setzen sie auf den Biss – oder auf das Spiel selbst?

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