Böhmermanns provokante Ausstellung im HKW fordert Politik und Besucher heraus
Ariane HolzapfelBöhmermanns provokante Ausstellung im HKW fordert Politik und Besucher heraus
Eine mutige neue Ausstellung im Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) eröffnet
Unter dem Titel "Die Möglichkeit der Irrationalität" verwandelt die Schau die Satiresendung ZDF Magazin Royale von Jan Böhmermann in ein immersives, realweltliches Erlebnis. Bis zum 19. Oktober können Besucher kontroverse politische Artefakte erkunden, interaktive Installationen ausprobieren und sogar Bundeskanzler Friedrich Merz durch ein Dachfernrohr beobachten.
Den Auftakt bildet ein markantes Bild: eine riesige, aufblasbare Freiheitsstatue, halb versunken in einem Teich vor dem HKW. Böhmermann deutet sie als Kommentar zum Zustand der US-Demokratie. Im Inneren geht die Provokation weiter. Eine butterne Büste des ehemaligen Kanzlers Helmut Kohl teilt sich den Raum mit dem, was Böhmermann "Trophäen der Schurken" nennt – darunter eine unter der Marke Donald Trump vertriebene Haarkur, mit Kaninchen bestickte Handtücher in Anspielung auf den Milliardär René Benko und andere satirische Relikte.
In lässiger Kleidung führte Böhmermann persönlich durch die Eröffnung. Handys sind verboten – einige Elemente, so seine Forderung, müssten un digitalisiert bleiben. Ein Höhepunkt: Über ein komplexes Spiegel- und Fernrohrsystem auf dem Dach können Besucher Kanzler Merz bei der Arbeit beobachten. Für 15 Euro Eintritt gibt es Zugang zu diesen und weiteren interaktiven Werken, kuratiert von Böhmermanns Kollektiv Royal Group.
Die Ausstellung startet jedoch nicht ohne Vorbehalte. Noch in diesem Jahr sagte das HKW geplante Konzerte im Rahmen der Schau für 2026 ab – ein Schritt, der Zensurvorwürfe auslöste. Kritiker warfen dem Haus vor, die Absage stehe im Zusammenhang mit den polarisierenden politischen Positionen der Künstler; die erwarteten Besucherzahlen sanken um 30 Prozent. Alternativen wie virtuelle Auftritte oder Pop-up-Events in Räumen wie dem Kunsthaus Bethanien wurden diskutiert, aber nie umgesetzt.
Bis zum 19. Oktober ist die Ausstellung täglich geöffnet, Fotografieren im Inneren ist untersagt. Böhmermanns Mix aus Satire, Interaktivität und politischer Kritik sorgt bereits für Aufmerksamkeit – sowohl für Begeisterung als auch für Debatten. Ob durch die versunkene Lady Liberty oder das Butterdenkmal für Kohl: Die Schau zwingt die Besucher, sich mit dem Irrationalen in der modernen Politik auseinanderzusetzen.






