12 February 2026, 02:19

Brüder nach Polizeitod droht die Abschiebung – trotz laufender Rechtsmittel

Eine Gruppe von Menschen, einige mit Taschen und einer auf einem Pferdewagen sitzend, geht eine Schotterstraße entlang mit einem Hund, Häusern im Hintergrund und Text unten lesend "Deutsche Flüchtlinge in Deutschland".

Brüder nach Polizeitod droht die Abschiebung – trotz laufender Rechtsmittel

Zwei Brüder, die nach dem tödlichen Polizeischuss auf ihren Bruder für Gerechtigkeit kämpfen, sehen sich nun mit der Abschiebung aus Deutschland konfrontiert. Sidy und Lassana Dramé, deren Bruder Mouhamed Lamine Dramé 2022 bei einem Polizeieinsatz getötet wurde, erhielten ihre Niederlassungserlaubnis nur bis Januar 2026 zurück. Unterdessen laufen weiterhin Rechtsmittel und öffentliche Kampagnen, die sowohl die Aufarbeitung des Falls als auch das Bleiberecht der Brüder in Frage stellen.

Mouhamed Lamine Dramé starb am 8. August 2022 während eines Polizeieinsatzes in Dortmund, als er eine psychische Krise durchlebte. Seine Brüder Sidy und Lassana setzen sich seitdem für Aufklärung ein und argumentieren, dass der Einsatz fehlerhaft durchgeführt wurde und sein Tod hätte verhindert werden können. Die fünf beteiligten Beamten wurden später freigesprochen, woraufhin sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Familie Dramé Revision beim Bundesgerichtshof einlegten.

Die rechtliche Auseinandersetzung der Brüder wird durch ihren Aufenthaltsstatus erschwert. Zwar wurde ihre Aufenthaltserlaubnis bis zum 31. Januar 2026 verlängert, doch ihre Pässe bleiben eingezogen, was ihre Bewegungsfreiheit in Deutschland einschränkt. Das Dortmunder Ausländeramt lehnte eine weitere Verlängerung ab und begründete dies damit, dass sie sich von Senegal aus an dem Revisionsverfahren beteiligen könnten. Unterstützer:innen betonen jedoch, dass ihre Anwesenheit für die anhaltende juristische und politische Aufarbeitung des Falls entscheidend sei.

In einem offenen Brief fordern Aktivist:innen, Organisationen und Einzelpersonen eine dauerhafte Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis für die Brüder. Die Kampagne verweist auf ihre engen Bindungen an Nordrhein-Westfalen und ihre Rolle bei der Forderung nach systemischem Wandel. Gleichzeitig wird in Dortmund diskutiert, eine Straße oder einen Platz zu Ehren Mouhameds umzubenennen. Ähnliche Gedenkstätten gibt es bereits in Berlin, Frankfurt und Köln, doch eine vollständige Liste der Kommunen, die ihn speziell ehren, ist bisher nicht öffentlich zugänglich.

Die Zukunft der Brüder in Deutschland bleibt ungewiss, während sich die juristischen Verfahren hinziehen. Die drohende Abschiebung erhöht den Druck in einem Fall, der ohnehin schon von öffentlicher Empörung und Forderungen nach Reformen geprägt ist. Da ihre Aufenthaltsgenehmigungen Anfang 2026 auslaufen, wird das Ergebnis ihres Revisionsverfahrens und der weiteren Kampagne für Gerechtigkeit darüber entscheiden, ob sie in dem Land bleiben dürfen, das sie inzwischen als ihre Heimat betrachten.