25 March 2026, 14:14

Chefket-Konzert im HKW nach politischem Druck gestrichen – Künstler boykottieren das Haus

Plakat für die Berliner Secession mit einer Frau in einem grünen Kleid und einem Mann in einem schwarzen Anzug mit Text zur Beschreibung des Ereignisses.

Chefket-Konzert im HKW nach politischem Druck gestrichen – Künstler boykottieren das Haus

Geplantes Konzert des schwäbischen Rappers Chefket im Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) nach politischem Druck abrupt abgesagt

Ein für den 7. Oktober geplantes Konzert des schwäbischen Rappers Chefket im Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) wurde kurzfristig abgesagt – ausgelöst durch politischen Druck. Der Termin fiel mit dem Jahrestag des Hamas-Angriffs auf Israel zusammen. Die Kontroverse verschärfte sich, als Chefkets Kleidungswahl – ein "Palästina"-T-Shirt mit arabischer Kalligrafie und einer Umrisskarte Israels – Kulturminister Wolfram Weimer empörte.

Die Absage löste nun eine Welle der Solidarität unter deutschen Künstlern aus: Alle für das HKW gebuchten Acts sagten ihre Auftritte aus Protest ab. Der Vorfall ereignet sich vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen um die Führung und Programmgestaltung der Institution unter ihrem neuen Direktor, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, dem ersten Menschen of Color an der Spitze einer großen deutschen Kultureinrichtung.

Chefket, der vom Goethe-Institut zum "Rap-Botschafter" ernannt worden war, sollte im HKW auftreten – einem Haus, das für internationale Auftritte bekannt ist, darunter kürzlich ein Konzert des haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil. Doch sein geplanter Auftritt am 7. Oktober, genau ein Jahr nach dem Hamas-Angriff, stieß auf sofortige Kritik. Den Ausschlag gab schließlich sein T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina" und arabischer Schrift, die die Grenzen Israels nachzeichnete.

Kulturminister Weimer griff ein und setzte die Absage des Konzerts durch. Dies löste einen sofortigen Gegenprotest aus: Sämtliche anderen deutschen Künstler, die im HKW gebucht waren, zogen ihre Teilnahme zurück – aus Solidarität mit Chefket. Der Boykott wirft nun die Frage auf, wie es mit den zukünftigen Veranstaltungen der Institution weitergeht.

Der Streit spielt sich vor dem Hintergrund einer längerfristigen Debatte über die Ausrichtung des HKW unter Ndikung ab, einem kamerunischen Biologen, der zum Kulturmanager wurde. Seit seiner Berufung 2023 steht seine "postkoloniale" Programmarbeit in der Kritik, insbesondere von konservativer Seite. Selbst der TV-Satiriker Jan Böhmermann hatte im HKW eine Ausstellung mit dem Titel "Die Möglichkeit der Unvernunft" geplant, um die innerinstitutionellen Konflikte zu thematisieren. Trotz seiner prominenten Lage in der Nähe des Bundeskanzleramts fristet das HKW jedoch ein Schattendasein in der Bundespolitik.

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Die Absage hat die Diskussionen über kulturelle Vielfalt, Meinungsfreiheit und politischen Einfluss im deutschen Kunstbetrieb neu entfacht. Das HKW, einst ein Symbol des globalen Austauschs, steht nun im Zentrum eines polarisierenden Streits über Identität und Repräsentation.

Die Folgen des abgesagten Chefket-Konzerts sind verheerend: Das HKW hat derzeit keine deutschen Auftritte mehr in der Planung. Die Weigerung der Künstler, aufzutreten, unterstreicht die tiefe Verbundenheit mit dem Rapper. Gleichzeitig sieht sich die Institutsleitung mit wachsender Kritik an ihren Programmentscheidungen konfrontiert – und den weiteren Auswirkungen auf die deutsche Kulturlandschaft.

Ohne eine Lösung in Sicht zeigt der Vorfall, wie schwierig es ist, künstlerische Freiheit, politische Sensibilitäten und das Erbe der Kolonialgeschichte in öffentlichen Einrichtungen in Einklang zu bringen.

Quelle