"Debritz" feiert düster-komische Premiere über den Niedergang der Provinz
Olav Ruppert"Debritz" feiert düster-komische Premiere über den Niedergang der Provinz
„Debritz“: Eine düster-komische Abrechnung mit dem Niedergang der Provinz feiert Premiere am Badischen Staatstheater Karlsruhe
Am Badischen Staatstheater Karlsruhe hat das neue Stück Debritz Premiere gefeiert. Im Mittelpunkt steht ein fiktives Dorf, das einst als blühendes Salzabbaugebiet galt, heute jedoch als von Klimawandel und Verfall gezeichnete Ruine dahindämmert. Die Inszenierung wirft einen düster-komischen Blick auf das Leben in sogenannten „strukturschwachen Regionen“, die um ihr Überleben kämpfen.
Die Handlung spielt in Debritz, einer öden Einöde, in der nur noch wenige skurrile Gestalten ausharren. Dazu gehören Peggy, eine Zuckerrübenbäuerin, und ihr Freund Maik – die einzigen Figuren des Stücks, die etwas Tiefe erhalten. Ihre Beziehung bildet einen der wenigen Momente emotionaler Authentizität in einer ansonsten überzeichneten Welt.
Für die komischen Höhepunkte sorgt vor allem Barbarossa, ein einsiedlerischer Untergrundbewohner mit beißendem Witz. Ein weiterer Glanzpunkt ist Candy the Candle, eine Performerin in pinkem Kostüm, die eine sarkastische Hymne auf den Niedergang des Dorfs zum Besten gibt. Den Höhepunkt bildet ein farcenhaftes Finale, in dem Peggy und Maik die Siedlung in die Luft jagen.
Regisseurin Brit Bartkowiak überzeugt mit einem mutigen, experimentellen Ansatz, und das Ensemble trägt mit seiner energiegeladenen Darstellung maßgeblich zum Gelingen der Premiere bei. Doch trotz der grotesken Stilmittel und lebendigen Szenen hat die Inszenierung auch Schwächen: Manche Passagen wirken emotional flach und intellektuell wenig durchdacht.
Der Autor des Stücks, Kaleb Erdmann, wurde 1991 in Witten geboren. Mit Debritz entwirft er ein zwar überzeichnetes, aber eindringliches Porträt von Gemeinden, die von wirtschaftlichem und ökologischem Wandel abgehängt wurden.
Die Uraufführung markierte ein bemerkenswertes Ereignis am Badischen Staatstheater. Die Mischung aus Satire, Absurdität und gesellschaftskritischem Unterton hinterlässt beim Publikum ein prägnantes, wenn auch ungleichmäßiges Bild modernen ländlichen Verfalls. Das explosive Finale unterstreicht die Verzweiflung der Figuren und einer untergehenden Welt.
