Deutschland ernennt ersten dauerhaften Beauftragten gegen Antiziganismus
Hans-Theo KuhlDeutschland ernennt ersten dauerhaften Beauftragten gegen Antiziganismus
Deutschland hat Michael Brand zum ersten ständigen Beauftragten gegen Antiziganismus ernannt. Die Entscheidung folgt auf jahrelangen öffentlichen Druck und erfolgt zu einer Zeit, in der Berichte über Diskriminierung gegen Sinti und Roma zunehmen. Brand, der zugleich als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Familie und Bildung amtiert, übernimmt damit eine gestärkte Rolle im Kampf gegen Vorurteile und für die Verbesserung der Unterstützung betroffener Gemeinschaften.
Das Amt des Beauftragten gegen Antiziganismus wurde in Anerkennung der historischen Verantwortung Deutschlands geschaffen. Während der NS-Zeit wurden Hunderttausende Sinti und Roma ermordet – eine Last, die den Staat bis heute verpflichtet, sich gegen anhaltende Diskriminierung zu stellen. Mit Brands Ernennung wird die Position erstmals dauerhaft besetzt und unterstreicht so das langfristige Engagement im Kampf gegen Hass.
Brand hat klare Schwerpunkte für seine Amtszeit definiert: Er will antiziganistische Vorfälle sichtbarer machen, Opfer direkt unterstützen und als starker Fürsprecher für Sinti und Roma auftreten. Gleichzeitig betont er die Notwendigkeit, institutionelle Probleme – etwa bei der Polizei – anzugehen, ohne die wichtige Rolle der Sicherheitsbehörden beim Schutz der Gemeinschaften infrage zu stellen.
Aktuelle Daten unterstreichen die Dringlichkeit des Amtes. Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA), ein unabhängiges Monitoring-Zentrum in Berlin, verzeichnete im vergangenen Jahr einen Anstieg antiziganistischer Fälle um 30 Prozent. Ihr Bericht vom April 2024 thematisierte Diskriminierung gegen ukrainische Roma-Flüchtlinge, während der Berlin-Monitor in seinen Erkenntnissen vom Februar 2026 eine Zunahme von Hass dokumentierte. Brand verurteilte hetzerische Rhetorik, die ganze Gruppen pauschal diffamiert – insbesondere in Debatten über Wohnraum und kriminelle Strukturen.
Auch die Bundesregierung unternimmt Schritte, um die Chancen von Sinti und Roma zu verbessern. Zusätzlich wurden 2,9 Milliarden Euro für frühkindliche Bildung und Opportunity-Schulen bereitgestellt, um Ungleichheiten abzubauen. Brand wies Vorwürfe zurück, seine Ernennung sei verzögert worden, räumte jedoch ein, dass die umstrittenen Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz im vergangenen Herbst zum "Stadtbild" nicht auf Sinti und Roma gemünzt waren.
Mit Brands dauerhafter Berufung verfügt Deutschland nun über einen festen Ansprechpartner, der Antiziganismus bekämpft und marginalisierte Gemeinschaften unterstützt. Die steigenden Fallzahlen und die finanziellen Zusagen der Regierung zeigen sowohl das Ausmaß des Problems als auch die wachsenden Bemühungen, es zu lösen. Monitoring-Stellen wie die MIA bleiben dabei zentral – als Chronisten der Diskriminierung und Mitgestalter künftiger Politiken.