Deutschlands Goldreserven: Warum die Rückhol-Debatte wieder aufflammt
Olav RuppertDeutschlands Goldreserven: Warum die Rückhol-Debatte wieder aufflammt
Gold gilt seit jeher als sichere Geldanlage, frei von den Risiken, die mit Banken oder Regierungen verbunden sind. Doch selbst physisches Gold, das in Banktresoren lagert, birgt ein gewisses Gegenparteirisiko. Diese Sorge hat die Debatte über die deutschen Goldreserven im Ausland neu entfacht – aktuell im Wert von rund 177 Milliarden Euro, nach nur 13,6 Milliarden Euro im Jahr 2005.
Der Goldpreis hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten rasant entwickelt. Kostete ein Kilogramm 2005 noch 11.000 Euro, liegt der Preis heute bei etwa 133.000 Euro. Dieser starke Anstieg hat manche Anleger unerwartet belastet, insbesondere solche, die ihr Gold in Schließfächern mit steigenden Gebühren lagern.
Anders als Papierwährungen besitzt Gold einen intrinsischen Wert. Wie der Bankier J.P. Morgan 1912 sagte: "Gold ist Geld; alles andere ist Kredit." Doch auch "Papiergold" bleibt anfällig. Im schlimmsten Fall könnten Anleger ihr gesamtes Investment verlieren, wenn das dahinterstehende System zusammenbricht.
Die Deutsche Bundesbank hält 3.352 Tonnen Gold, wobei mittlerweile rund 1.710 Tonnen (51 %) in Frankfurt lagern. Dies folgt einer Entscheidung aus dem Jahr 2013, bis 2017 300 Tonnen aus New York zurückzuholen – damit stieg der inländische Anteil von einem Drittel auf über die Hälfte. Dennoch sieht Bundesbank-Präsident Joachim Nagel keinen Grund, die verbleibenden Reserven ins Inland zu verlagern.
Doch die Forderungen nach einer vollständigen Rückholung werden lauter. Sorgen über Gegenparteirisiken und die sich wandelnde geopolitische Lage befeuern die Nachfrage, dass Deutschland sein gesamtes Gold im eigenen Land sichern soll.
Die Diskussion um die deutschen Goldreserven zeigt das Spannungsfeld zwischen Vertrauen in die Finanzsysteme und der Sicherheit physischer Vermögenswerte. Angesichts steigender Goldpreise und anhaltender geopolitischer Unsicherheiten wird der Druck, die verbleibenden Auslandsbestände zurückzuholen, kaum nachlassen. Die Bundesbank bleibt vorerst bei ihrer Haltung – doch die Debatte geht weiter.