20 December 2025, 01:46

Die Wahrheit

Ein Weihnachtsbaum auf einer Straße mit Menschen darauf, flankiert von zwei Fahnenmasten, mit beleuchteten Gebäuden im Hintergrund.

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Alljährlich in Bayern: Vor Weihnachten überall präsent ist das Gedicht „Heilige Nacht“ des noch immer populären Antisemiten Ludwig Thoma.

  1. Dezember 2025, 23:06 Uhr

Unterhaltung, Popkultur

Eine seit langem gepflegte Weihnachtsradition in Bayern gerät in den letzten Jahren zunehmend in die Kritik. Ludwig Thomass antisemitisches Gedicht „Heilige Nacht“ wird trotz der hasserfüllten Haltung des Autors nach wie vor in der Adventszeit verbreitet vorgetragen. Gleichzeitig scheitern Versuche, nach ihm benannte Straßen umzubenennen, immer wieder am Widerstand der Bevölkerung.

Ludwig Thoma, ein bekannter bayerischer Schriftsteller, veröffentlichte „Heilige Nacht“ Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Gedicht karikiert die Reise von Maria und Josef nach Bethlehem auf eine Weise, die heute viele als respektlos empfinden. Doch nicht nur dieses Werk prägt sein Erbe: Thoma war berüchtigt für seine antisemitischen Hetzkampagnen, die er regelmäßig im „Miesbacher Anzeiger“ verbreitete.

Seit über 25 Jahren trägt der Schauspieler Enrico de Paruta das Gedicht jährlich vor und hat es so zu einem beliebten Weihnachtsbrauchtum in ganz Bayern gemacht. Doch mit wachsendem Bewusstsein für Thomass extremistische Ansichten mehren sich die Forderungen, seinen Namen aus dem öffentlichen Raum zu verbannen. In München etwa forderte eine Petition 2021 die Umbenennung einer Straße in Pasing, die nach Thoma benannt ist. Unterstützt von Einrichtungen wie dem NS-Dokumentationszentrum München und der Amadeu Antonio Stiftung verwies die Initiative auf seine antisemitischen Schriften – doch der Stadtrat lehnte den Antrag 2022 ab. Ähnliche Vorstöße in Pfaffenhofen und Landsberg am Lech scheiterten zwischen 2020 und 2023 ebenfalls, meist an lokalem Widerstand. Trotz seiner umstrittenen Vergangenheit zieren Thomass Name weiterhin Straßen und Schulen in Oberbayern. Kritiker warnen, dass diese fortgesetzte Ehrung seine hassgeladene Ideologie verharmlost, während Befürworter seine kulturelle Bedeutung verteidigen.

Die Debatte um Thomass Vermächtnis reißt nicht ab. Sein Gedicht bleibt ein fester Bestandteil der Weihnachtszeit, und Straßen mit seinem Namen behalten ihre Bezeichnung. Fürs Erste müssen öffentliche Institutionen abwägen zwischen Tradition und der wachsenden Erkenntnis über seine schädlichen Ansichten.