Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – wie Rassismus und Printkrise Obdachlose bedrohen
Ariane HolzapfelDüsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – wie Rassismus und Printkrise Obdachlose bedrohen
Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin – verkauft von obdachlosen Händlern – kämpft mit drastischen Umsatzeinbrüchen. Die monatliche Auflage ist von einst 40.000 Exemplaren auf unter 12.000 gesunken. Der Rückgang bedroht eine lebenswichtige Einnahmequelle für Menschen auf der Straße, denn die Zeitschrift bietet ihren Verkäufer:innen nicht nur ein Einkommen, sondern auch Struktur und ein Stück Würde.
Seit über zwei Jahrzehnten ist "fiftyfifty" weit mehr als nur ein Printmedium. Für die Händler:innen ist es eine finanzielle Stütze, für Leser:innen eine direkte Verbindung zur Realität von Obdachlosigkeit. Zudem finanziert das Magazin wichtige soziale Projekte – von der Straßenhilfe über medizinische Versorgung für herrenlose Hunde bis hin zu Wohnrauminitiativen.
Zwei zentrale Gründe treiben den Verkaufsrückgang voran: Zum einen leidet die Straßenpresse unter der allgemeinen Krise der Printmedien. Zum anderen berichten Verkäufer:innen – besonders solche mit Migrationshintergrund – von wachsender Feindseligkeit und Rassismus, was den Verkauf zusätzlich erschwert.
Um zu überleben, hat "fiftyfifty" mit "fiftyfifty-ObdachLOS" eine Online-Ausgabe gestartet, die nach dem Prinzip eines Rubbelloses funktioniert: Die Händler:innen erhalten weiterhin die Hälfte des Verkaufspreises – diesmal aus digitalen Käufen. Andere deutsche Straßenmagazine wie "Strassenfeger" oder "Hopfen & Hopfen" setzen ebenfalls auf digitale Formate, Crowdfunding und Kooperationen mit lokalen Unternehmen, um sich über Wasser zu halten.
Doch "fiftyfifty" ist mehr als ein Wirtschaftsmodell – es ist eine Plattform für politische Interessenvertretung, die Obdachlosen eine Stimme verleiht. Ohne das Magazin fürchten viele den Verlust eines entscheidenden Instruments, um auf Missstände aufmerksam zu machen und für ihre Rechte zu kämpfen.
Die Zukunft von "fiftyfifty" bleibt ungewiss, während die Auflage weiter sinkt. Ein Scheitern würde nicht nur die Verkäufer:innen ihrer Einnahmen berauben, sondern auch eine zentrale Stimme der Obdachlosenbewegung schwächen. Ob das Magazin überlebt, hängt davon ab, ob es gelingt, sich digital zu erneuern – und gleichzeitig der zunehmenden Ablehnung zu begegnen, der seine Händler:innen ausgesetzt sind.