12 February 2026, 02:20

Energiewende in der Krise: Warum Deutschlands Gasabhängigkeit wieder steigt

Eine Säulendiagramm, das den Stromverbrauch der Bundesländer nach Energiequellen im Jahr 2022 zeigt, mit begleitendem Text, der zusätzliche Dateninformationen liefert.

Energiewende in der Krise: Warum Deutschlands Gasabhängigkeit wieder steigt

Deutschlands Weg in eine saubere Energiezukunft stockt – Gasabhängigkeit steigt wieder

Laut dem aktuellen Gasbilanz-2025-Bericht hat Deutschlands Vorstoß für eine klimafreundlichere Energieversorgung an Fahrt verloren. Zwar gab es in einigen Bereichen Fortschritte – etwa beim Bau von 525 Kilometern Wasserstoff-Pipelines –, doch viele Wasserstoffprojekte sind ins Stocken geraten oder wurden ganz gestrichen. Gleichzeitig nimmt die Abhängigkeit des Landes von Erdgas wieder zu, was Zweifel an den Klimazielen aufkommen lässt.

Der Bericht verweist auf einen deutlichen Rückgang der geplanten Wasserstoffkapazitäten. Noch 2024 peilte Deutschland für 2030 eine Elektrolyseleistung von 11,3 Gigawatt (GW) an – doch bereits 2025 wurde dieses Ziel auf nur noch 7,2 GW nach unten korrigiert. Hohe Stromkosten, unklare Regularien und das Fehlen langfristiger Verträge haben zu Verzögerungen oder Absagen zahlreicher Vorhaben geführt. Einzig Nordrhein-Westfalen verzeichnet nennenswerte Erfolge: Hier sind bereits 50 Megawatt (MW) in Betrieb, und bis 2026 sollen über 200 MW genehmigt oder im Bau sein.

Trotz der Rückschläge gibt es einen Lichtblick: Biomethan. Rund 11,5 Terawattstunden (TWh) dieses erneuerbaren Gases wurden 2025 ins deutsche Netz eingespeist – mehr als in den Vorjahren. Es kommt mittlerweile nicht nur zur Wärmeversorgung zum Einsatz, sondern auch in der Industrie, der Stromerzeugung und im Verkehr. Doch unklare EU-Vorgaben zu Netzzugang, Massenbilanzierung und Zertifizierung bremsen das weitere Wachstum aus.

Unterdessen steigt Deutschlands Gasverbrauch wieder an. 2025 stieg die Nachfrage um etwa 3 Prozent auf 835 TWh. Damit deckt Erdgas nun 26,9 Prozent des deutschen Primärenergiebedarfs – nach 25,9 Prozent im Vorjahr. Zwar stoßen Gaskraftwerke mit rund 392 Gramm CO₂ pro Kilowattstunde weniger aus als Kohlekraftwerke, doch im Vergleich zu Ländern, die die Kohle bereits abgeschafft haben, hinkt der deutsche Energiesektor hinterher.

Die Bundesregierung gerät mit ihrer Kraftwerksstrategie unter Druck, denn Deutschland steht vor der Abschaltung von über 30 GW Kohlekraftwerksleistung. Ohne zügiges Handeln könnte die Netzstabilität gefährdet sein. Das Wasserstoffnetz, zwar teilweise bereits gebaut, müsste deutlich schneller ausgebaut werden, um die Lücke durch den Kohleausstieg zu schließen.

Die deutsche Energiewende steht am Scheideweg: Die Wasserstoffoffensive stockt, der Gasbedarf steigt, und die Fristen für den Kohleausstieg rücken näher. Will das Land seine Klimaziele noch erreichen, muss es nun seine Kraftwerksstrategie beschleunigen und klare Regeln für Biomethan schaffen. Ohne entschlossenere Maßnahmen drohen weitere Verzögerungen beim Umstieg auf saubere Energien.