EU und Indien verhandeln erneut über umstrittenes Freihandelsabkommen
Ariane HolzapfelEU und Indien verhandeln erneut über umstrittenes Freihandelsabkommen
Die Europäische Kommission hat die Verhandlungen mit Indien über ein lang ersehntes Freihandelsabkommen wiederaufgenommen. Die Gespräche, die unter der Führung von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stehen, wurden 2022 nach einer Pause fortgesetzt – 15 Jahre nach ihrem ersten Beginn. Ein mögliches Abkommen stand im Mittelpunkt des EU-Indien-Gipfels in Neu-Delhi und signalisiert Fortschritte nach Jahren der Verzögerungen.
Die EU drängt auf strengere Beschränkungen für indische Stahlimporte, während sie gleichzeitig höhere Exportquoten für europäische Autos anstrebt. Die Landwirtschaft wird voraussichtlich jedoch weitgehend aus dem Abkommen ausgeklammert bleiben. Beide Seiten müssen Kompromisse eingehen, um sicherzustellen, dass die Vorteile des Deals seine Nachteile überwiegen.
Indiens starker IT-Sektor könnte europäischen Elektronikherstellern einen Aufschwung verschaffen. Unterdessen sind Deutschlands Exporte nach Indien seit 2019 um fast 40 Prozent gestiegen, während die Lieferungen nach China im gleichen Zeitraum um etwa 15 Prozent zurückgingen. Für Deutschland könnte ein Handelsabkommen die Abhängigkeit von chinesischen Importen weiter verringern, insbesondere im Elektronikbereich. Dennoch bleiben Herausforderungen bestehen: Indien hat Bedenken gegen die geplante CO₂-Grenzsteuer der EU geäußert, was die finalen Verhandlungen erschweren könnte. Bei Erfolg würde das Abkommen Indien zu einem zentralen Handelspartner für Europas exportorientierte Volkswirtschaften machen.
Ein abgeschlossenes EU-Indien-Handelsabkommen könnte die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Regionen neu gestalten. Deutsche Unternehmen hätten insbesondere Vorteile durch den besseren Zugang zu Indiens wachsendem Markt. Das Ergebnis wird davon abhängen, ob beide Seiten ihre Differenzen in den Bereichen Zölle, Klimapolitik und Marktzugang beilegen können.