Europas Landwirtschaft zwischen Klimadruck und transatlantischen Spannungen in der Krise
Ariane HolzapfelTopmanager fürchtet wirtschaftlichen Graben zum USA - Europas Landwirtschaft zwischen Klimadruck und transatlantischen Spannungen in der Krise
Europa steht vor wachsenden wirtschaftlichen und agrarpolitischen Herausforderungen, während die Spannungen mit den USA zunehmen und der Klimadruck steigt. Ohne schnelle Fortschritte bei neuen Agrartechnologien droht der Kontinent in der globalen Nahrungsmittelproduktion zurückzufallen. Gleichzeitig warnt der Chemiekonzern Bayer, dass ein zerrüttetes transatlantisches Verhältnis eine größere Bedrohung darstellen könnte als Handelskonflikte mit China.
Bayer, ein führender Akteur im Bereich Agrarchemie, ist seit langem in Europa und Nordamerika aktiv. Die umstrittene Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto im Jahr 2018 brachte dem Unternehmen vor allem wegen des Unkrautvernichters Glyphosat kostspielige Klagen ein – ein Wirkstoff, der mit zahlreichen Schadensersatzprozessen in Verbindung steht. Bis Ende 2023 erwartet Bayer jedoch, den Großteil der damit verbundenen Haftungsrisiken abgebaut zu haben.
Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) hat Deutschland aufgefordert, die von der EU vorgeschlagenen Regeln zu neuen genomischen Züchtungstechniken (NGT) zu unterstützen. Diese mit dem Nobelpreis gewürdigten Methoden könnten Nutzpflanzen widerstandsfähiger gegen den Klimawandel machen und so langfristige Weizenknappheiten verhindern. Ohne sie könnte Europas Landwirtschaft im globalen Wettbewerb ins Hintertreffen geraten. Matthias Berninger, Bayers oberster Lobbyist, betont, dass eine Entfremdung zwischen Europa und den USA gefährlicher wäre als eine Abkopplung von China. Er argumentiert, Europa müsse seine Stärken in der Agrarbiotechnologie nutzen, um nicht zum Ziel von US-Politik unter dem früheren Präsidenten Donald Trump zu werden. Die öffentliche Debatte hat sich bereits verschoben: Statt um die Technologie selbst geht es nun vor allem um die Sorge vor steigenden Lebensmittelpreisen.
Die Entscheidung der EU über die NGT-Regeln wird die Zukunft der europäischen Landwirtschaft prägen. Eine Zustimmung könnte die Nahrungsmittelproduktion sichern und die Wettbewerbsfähigkeit erhalten – eine Ablehnung hingegen würde die wirtschaftliche Belastung verschärfen. Angesichts der anhaltenden transatlantischen Spannungen sind die Weichenstellungen für Europas Agrar- und Handelspolitik heute entscheidender denn je.