15 March 2026, 00:12

Europas Rüstungsboom: Milliarden für Militär – doch die Innovationslücke bleibt

Ein Diagramm auf einem weißen Hintergrund mit der Überschrift "Die Vorteile der gestiegenen Produktivität über die letzten 35 Jahre sind nicht an die Mittelschicht gegangen", das die Produktivitätssteigerung über 35 Jahre zeigt und anzeigt, dass die Mittelschicht nicht davon profitiert hat.

Europas Rüstungsboom: Milliarden für Militär – doch die Innovationslücke bleibt

Europa steht vor einem massiven Anstieg der Militärausgaben, während die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten in ein weiteres Jahr gehen. Länder auf dem gesamten Kontinent stocken ihre Verteidigungsetats auf, wobei die Investitionen allein 2024 voraussichtlich um elf Prozent steigen werden. Doch während die Rüstungsindustrie boomt, hinkt Europa weiterhin hinterher, wenn es darum geht, Forschung in marktreife Verteidigungstechnologie umzuwandeln.

Der Krieg in der Ukraine ist nun im vierten Jahr, und die Spannungen im Nahen Osten haben die globale Nachfrage nach Militärgütern weiter verschärft. Russland hat seine Wirtschaft auf Kriegsfooting umgestellt und zwingt damit andere Nationen, nachzuziehen. Die europäischen Verteidigungsausgaben steigen zwar stark an, doch der Kontinent schafft es nicht, mit dem Innovationsniveau der USA mitzuhalten, wo Verteidigungs-Start-ups in den letzten zehn Jahren rund 70 Milliarden Dollar erhielten – das Zehnfache der europäischen 7 Milliarden Euro.

Österreich hat seit 2022 bedeutende Schritte unternommen, um sein Militär zu modernisieren. Zu den jüngsten Beschaffungen zählen 36 Skyranger-30-Drohnenabwehrsysteme (geliefert im Februar 2024), 225 gepanzerte Fahrzeuge vom Typ Pandur Evolution sowie 50 aufgerüstete Varianten des Ulan. Bis Ende 2024 plant das Land zudem, einen Deal über 12 Leonardo-M-346FA-Kampfjets abzuschließen. Diese Maßnahmen entsprechen dem europäischen Trend, doch Österreichs Neutralität verbietet direkte Waffenexporte. Stattdessen profitieren heimische Unternehmen wie Steyr Motors und AT&S indirekt über Lieferketten.

Der europäische Rüstungsboom zeigt sich besonders in Deutschland, wo der Kontinents größter Rüstungskonzern Rheinmetall in diesem Jahr einen Umsatz von 14,5 Milliarden Euro erwartet. Um die Nachfrage zu decken, stellt das Unternehmen 10.000 neue Mitarbeiter ein. Auch Österreichs eigene Rüstungsindustrie verzeichnet Wachstum: Für 2025 wurden sicherheitsrelevante Exporte im Wert von 3,944 Milliarden Euro genehmigt. Das österreichische Unternehmen Schiebel hat etwa kürzlich große Aufträge mit den Marinen Griechenlands und Kanadas an Land gezogen – trotz Einschränkungen bei der Lieferung von Ausrüstung in aktive Kriegsgebiete.

Doch Europas Fähigkeit, Forschung in einsatzbereite Verteidigungstechnologie umzuwandeln, bleibt schwach. Zersplitterte Märkte, Unterfinanzierung und ein schwaches Start-up-Ökosystem bremsen den Kontinent aus, selbst während die Militäretats wachsen.

Angesichts der höchsten Zahl bewaffneter Konflikte seit Jahrzehnten expandiert die europäische Rüstungsindustrie rasant. Österreichs Militärmodernisierung und steigende Exporte spiegeln diesen Trend wider, doch die Neutralität des Landes begrenzt direkte Waffenverkäufe. Gleichzeitig bleibt die Innovationslücke zwischen Europa und den USA bestehen – der Kontinent ist weiterhin auf Importe und Partnerschaften in der Lieferkette angewiesen.

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