Evonik-Chef Kullmann warnt vor AfD-Nähe deutscher Mittelständler
Ariane HolzapfelEvonik-Chef warnt kleine Unternehmen davor, sich an die AfD anzuschmiegen - Evonik-Chef Kullmann warnt vor AfD-Nähe deutscher Mittelständler
Evonik-Chef Christian Kullmann hat sich gegen die wachsende Nähe deutscher Mittelständler zur rechtsextremen AfD ausgesprochen. Seine Äußerungen folgen einer jüngsten Kontroverse, bei der ein führender Wirtschaftsverband AfD-Abgeordnete zu einer parlamentarischen Veranstaltung im Oktober 2025 einlud. Der Chemiekonzern, der im vergangenen Jahr einen Umsatz von 15,2 Milliarden Euro verzeichnete, bezieht in dieser Frage klar Position.
Der Streit entbrannte, als die Vereinigung der Familienunternehmer AfD-Politiker zu einer parlamentarischen Veranstaltung im Oktober 2025 einlud. Die Entscheidung löste Empörung aus, woraufhin mehrere prominente Mitglieder den Verband verließen. Unter dem öffentlichen Druck zog die Vereinigung die Einladung später zurück.
Kullmann führte die zunehmende Anziehungskraft der AfD auf Ängste vor wirtschaftlichem Niedergang und sozialer Instabilität zurück. Er warnte davor, dass autoritäre Lösungen an Zulauf gewinnen, während Unternehmen nach schnellen Antworten auf Unsicherheiten suchen. Trotz seiner Bedenken gibt es jedoch keine Anzeichen für eine breitere Hinwendung des Mittelstands zur AfD in den letzten Jahren. Seit 2020 sind keine öffentlichen Unterstützungen oder Kooperationen von Unternehmen dieser Branche mit der Partei dokumentiert.
Evonik selbst bleibt von diesem Trend unberührt. Die RAG-Stiftung, größter Anteilseigner mit 47 Prozent, war in die Kontroverse nicht verwickelt. Das Unternehmen, das über 30.000 Mitarbeiter beschäftigt, distanziert sich weiterhin von politischem Extremismus.
Kullmanns Kritik unterstreicht die Spannungen zwischen wirtschaftlichen Interessen und politischen Bindungen in Deutschland. Der Ausschluss der AfD von der parlamentarischen Abendveranstaltung stellt eine seltene Kehrtwende in der Annäherung dar. Vorerst halten Evonik und andere Großunternehmen an ihrer Ablehnung einer Zusammenarbeit mit der Rechtsextremen fest.