Facharzttermine in Deutschland: Warum Patienten weiter monatelang warten müssen
Horst FischerFacharzttermine in Deutschland: Warum Patienten weiter monatelang warten müssen
Lange Wartezeiten auf Facharzttermine in Deutschland bleiben ein Dauerproblem
Trotz der 2019 eingeführten Reformen bleibt die Wartezeit auf Facharzttermine in Deutschland ein ungelöstes Problem. Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) sollte die Verzögerungen verringern, doch aktuelle Berichte zeigen gemischte Ergebnisse. Kritiker werfen dem System mittlerweile vor, seine Versprechen nicht eingelöst zu haben – bei gleichzeitig steigenden Kosten.
Die Debatte hat an Schärfe gewonnen, da Ärzte, Prüfer und Krankenkassen über die Regeln für dringende Überweisungen streiten. Viele Hausärzte fühlen sich zwischen den Ansprüchen der Patienten und finanziellen Zwängen zerrieben, während einige Fachärzte verdächtigt werden, das System für Profitzwecke auszunutzen.
Als das TSVG 2019 in Kraft trat, deuteten erste Daten darauf hin, dass sich die Wartezeiten für nicht dringende Facharztbehandlungen in einigen Regionen verkürzt hatten. Doch zwischen 2023 und 2025 stagnierten oder verschlechterten sich die Verzögerungen in Bundesländern wie Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. In manchen Gebieten müssen Patienten nun 20 bis 30 Tage oder länger auf Termine in Fachbereichen wie Orthopädie oder Augenheilkunde warten.
Nach den aktuellen Vorschriften dürfen Hausärzte Überweisungen nur dann als dringend kennzeichnen, wenn dies medizinisch gerechtfertigt ist. Doch eine Umfrage unter über 800 Hausärzten ergab, dass fast 750 von ihnen bereits unter Druck gesetzt wurden, unberechtigte Dringlichkeitsüberweisungen auszustellen. Allein in Nordrhein-Westfalen berichteten mehr als 200 Hausärzte, dass Fachärzte auf solche Einstufungen drängten, um Termine zu beschleunigen. Einige Ärzte gaben zu, dass Dringlichkeitscodes missbräuchlich genutzt würden, um die Einnahmen zu steigern.
Der Bundesrechnungshof kam kürzlich zu dem Schluss, dass das System hohe Zusatzkosten verursacht habe, ohne die Wartezeiten zu verkürzen. Diese Erkenntnisse decken sich mit den Klagen des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), der nun für eine Abschaffung der aktuellen Überweisungsregeln plädiert. Gleichzeitig verteidigt der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) zwar die Rechtmäßigkeit medizinisch notwendiger Überweisungen, räumt aber mögliche Missbräuche ein.
Viele Hausärzte betonen, dass das System bei tatsächlich dringenden Fällen funktioniere, aber Spannungen mit Patienten entstehe, wenn Anträge abgelehnt werden müssen. Die finanziellen Ungleichheiten zwischen Haus- und Fachärzten verschärfen die Frustration zusätzlich – manche Mediziner fühlen sich gezwungen, Regeln zu umgehen, um Patienten nicht zu verärgern.
Der Bundesrechnungshof und der GKV setzen sich nun für die Abschaffung des bestehenden Überweisungssystems ein. Ihre Haltung spiegelt wachsende Sorgen über Ineffizienz und steigende Ausgaben wider – ohne messbare Verbesserungen beim Patientenzugang. Der Streit zeigt die anhaltenden Herausforderungen, eine faire Vergütung, medizinische Notwendigkeit und zeitnahe Versorgung im deutschen Gesundheitssystem in Einklang zu bringen.






