Geisterzug feiert 35 Jahre mit Protest und Karneval gegen Kölner Wohnungsnot
Ariane HolzapfelGeisterzug feiert 35 Jahre mit Protest und Karneval gegen Kölner Wohnungsnot
Kölner Geisterzug feiert 35. Jubiläum mit Protest und Karnevalsflair
Der Kölner Geisterzug hat sein 35-jähriges Bestehen mit einer lebendigen Mischung aus Protest und Feier begangen. Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung stand die Wohnungspolitik – Tausende Teilnehmer:innen zogen als Geister, Hexen und Fabelwesen durch die Stadt. Die Parade, lokal schlicht Geisterzug genannt, verband politischen Aktivismus mit dem berühmten Kölner Karnevalsgeist.
An der Spitze des Umzugs marschierte Erich Hermans, verkleidet als Ähzebär – ein lokales Maskottchen – und spielte auf einem selbstgebastelten Rummelpot-Instrument. Hermans gehörte 1993 zu den Gründern der organisierenden Gruppe Ähzebär un Ko e.V., zwei Jahre nach der ersten Auflage des Geisterzugs als Antikriegsdemonstration. Im Laufe der Zeit passte die Veranstaltung ihr jährliches Motto an aktuelle Themen an. 2026 lautete es: "Allerhööchste Zick för en andere Wohnungspolitik – mer können nit all em Dom schlofe" (Höchste Zeit für eine andere Wohnungspolitik – wir können nicht alle im Dom schlafen) – eine klare Anspielung auf die Kölner Wohnungsnot.
Die Teilnehmer:innen präsentierten sich in aufwendigen Kostümen, viele mit Bezug zum Kampf um bezahlbaren Wohnraum. Ein riesiger Tintenfisch aus recycelten Plastikflaschen zierte einen der Wagen und unterstrich den ökologischen Ansatz der Parade. Die Route war gesäumt von abstrakten Kunstwerken, wirbelndem Nebel und Feuerfässern, die eine mystische Atmosphäre schufen. Reden und ein Auftritt der Band Kapelle 3 steuerten zusätzliche Energie bei, bevor der Umzug am Odonien, einem lokalen Kulturzentrum, endete.
Anders als in den Vorjahren, als die Veranstaltung oft mit einer Kundgebung schloss, stand diesmal eine Feier im Mittelpunkt. Der Geisterzug bleibt offen für alle und fördert gleichermaßen Kreativität und politisches Engagement.
Das 35. Jubiläum des Geisterzugs rückte die anhaltenden Wohnungsprobleme Kölns in den Fokus, ohne dabei die Tradition aus Protest und Spektakel zu vernachlässigen. Tausende beteiligten sich, nutzten Kunst, Musik und Kostüme, um auf Veränderung zu drängen. Der Wechsel zu einem festlichen Finale im Odonien markierte ein neues Kapitel in der langen Geschichte des Events.