Gericht entscheidet: Ist psychogene Blindheit eine anerkannte Behinderung?
Hans-Theo KuhlPsychogene Blindheit: Oberverwaltungsgericht prüft Anspruch - Gericht entscheidet: Ist psychogene Blindheit eine anerkannte Behinderung?
Eine Frau aus dem Kreis Steinfurt hat ihren Kampf um die Anerkennung einer Behinderung vor das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalens gebracht. Sie behauptet, an psychogener Blindheit zu leiden – einem Zustand, bei dem schwere Traumata zu einem Sehverlust führen, ohne dass körperliche Schäden an den Augen vorliegen. Das Gericht wird am 27. Februar 2023 entscheiden, ob ihr Zustand nach deutschem Recht als gesetzliche Blindheit anerkannt wird.
Der Fall begann 2018, als die Klägerin erstmals finanzielle Unterstützung sowie einen Schwerbehindertenausweis beantragte. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) lehnte ihre Anträge ab mit der Begründung, psychogene Blindheit erfülle nicht die gesetzliche Definition von Blindheit, die auf messbaren Sehbeeinträchtigungen beruhe. Das Verfahren zog sich über Jahre hin, auch wegen Verzögerungen durch die COVID-19-Pandemie.
Das erstinstanzliche Gericht ließ zentrale Fragen offen, darunter, ob die Frau tatsächlich unter psychogener Blindheit leidet oder ob ihre Symptome übertrieben sind. Ein Gutachter der Universität Tübingen untersuchte sie und stellte Widersprüche zwischen ihrer angegebenen Blindheit und den medizinischen Tests fest. Die Begutachtung ergab eine fast normale Sehkraft auf dem rechten Auge und eine gute Sehfähigkeit auf dem linken.
Das OVG muss nun entscheiden, ob psychogene Blindheit – die in einigen Ländern als psychische Behinderung anerkannt wird – rechtlich mit herkömmlicher Blindheit gleichgesetzt werden kann. Das Urteil, das noch am Verhandlungstag erwartet wird, wird darüber bestimmen, ob die Klägerin Anspruch auf staatliche Unterstützung hat.
Die Entscheidung des Gerichts wird klären, wie das deutsche Recht psychogene Blindheit in Antragsverfahren auf Schwerbehinderung bewertet. Falls das Urteil zugunsten der Klägerin ausfällt, könnte dies Präzedenz für ähnliche Fälle schaffen. Andernfalls endet ihr Rechtsweg, und sie würde ohne die beantragte finanzielle Hilfe und den Schwerbehindertenausweis dastehen.






