21 December 2025, 12:25

Gerresheimer Aktie: Großbank zieht sich zurück

Ein Lagerraum voller Flaschen und Dosen, mit einem zentralen Banner, das die Supra-Marke anzeigt, und einem Logo in der rechten unteren Ecke, das LM bezeichnet.

Gerresheimer Aktie: Großbank zieht sich zurück

Gerresheimer-Aktie: Großbank zieht sich zurück

Die Turbulenzen beim Düsseldorfer Verpackungsspezialisten reißen nicht ab. Kurz vor Jahresende sorgt eine Stimmrechtsmitteilung von BNP Paribas für Aufsehen: Die französische Großbank hat ihre gemeldeten Anteile praktisch auf null gesetzt. In einem Umfeld, das bereits von Gewinnwarnungen und behördlichen Prüfungen geprägt ist, wirkt dieses Signal wie ein weiterer Dämpfer.

  1. Dezember 2025, 23:57 Uhr

Für Gerresheimer war es ein extrem bewegtes Jahr – der Aktienkurs ist seit Januar um über 61 % eingebrochen. Allein 2025 gab das Unternehmen drei Gewinnwarnungen heraus und prognostiziert einen organischen Umsatzrückgang von 2 bis 4 %. Gleichzeitig hat sich BNP Paribas komplett aus dem Unternehmen zurückgezogen und seine Stimmrechtsanteile von 5,54 % auf null reduziert.

Die Probleme des Konzerns haben ihre Ursache vor allem in der schwachen Performance der Sparten Kosmetikverpackungen und orale Medikamentenbehälter. Hohe Anlaufkosten für neue Produktionslinien belasten zusätzlich die Margen und verschärfen die finanzielle Schieflage. Im September 2025 leitete die deutsche Finanzaufsicht BaFin zudem eine Untersuchung wegen möglicher Bilanzverstöße ein – ein weiterer Grund zur Sorge für Anleger.

Die aktuelle Marktposition von Gerresheimer wirkt prekär: Eine hohe Leerverkaufsquote und ein überverkaufter Status spiegeln sich in einem Relative-Stärke-Index (RSI) von nur 17,7 wider. Interims-CEO Uwe Röhrhoff steuert nun eine strategische Neuausrichtung, zu der auch die Ausgliederung und ein möglicher Verkauf des Hohlglasgeschäfts gehören. Trotz aller Herausforderungen peilt das Unternehmen in diesem Jahr noch 200 Millionen Euro Umsatz im lukrativen GLP-1-Medikamentensektor an – ein zentraler Baustein für die geplante Erholung.

Der vollständige Ausstieg von BNP Paribas erinnert an einen ähnlichen Schritt der Bank im Dezember 2025, als sie ihren Anteil an der Deutschen Bank von rund 5,4 % auf unter 3 % reduzierte, um EU-Kapitalmarktvorgaben einzuhalten. Damals verkaufte die Bank Aktien, um die Kapitaleffizienz zu optimieren, und meldete die Änderung an die BaFin. Nun deutet der komplette Rückzug bei Gerresheimer auf nachlassendes Vertrauen in die kurzfristigen Aussichten des Unternehmens hin.

Gerresheims Weg zurück in stabileres Fahrwasser hängt entscheidend davon ab, ob es im GLP-1-Markt Wachstum generieren kann. Gleichzeitig muss der Konzern operative Schwächen beheben, die regulatorischen Prüfungen bestehen und mit einer deutlich geschrumpften Aktionärsbasis zurechtkommen. Gelingt hier kein Kurswechsel, bleibt die finanzielle Zukunft des Unternehmens ungewiss.