Glasfaserausbau in Deutschland: Warum der Streit um Kupferabschaltung eskaliert
Horst FischerGlasfaserausbau in Deutschland: Warum der Streit um Kupferabschaltung eskaliert
Deutschland treibt eines seiner größten Infrastrukturprojekte voran: den Ersatz der Kupfernetze durch flächendeckende Glasfaseranschlüsse (FTTH). Die Umstellung soll in den kommenden Jahrzehnten das digitale Rückgrat des Landes modernisieren. Doch Streitigkeiten zwischen Branchenvertretern, Regulierungsbehörden und der Regierung sorgen für Unsicherheit darüber, wie und wann der Wechsel vollzogen wird.
Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) hat Maßnahmen vorgeschlagen, um den Glasfaserausbau zu beschleunigen. Wettbewerber, darunter Verbände wie Breko und VKU, unterstützen die Pläne. Sie kritisieren, dass die bisherigen Bemühungen der Bundesnetzagentur hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien. Breko fordert sogar ein "universelles Initiativrecht", das es Konkurrenten oder Aufsichtsbehörden ermöglichen würde, die Abschaltung der Kupfernetze zu erzwingen, sobald die Glasfaserabdeckung ein bestimmtes Niveau erreicht – selbst wenn die Deutsche Telekom Widerspruch einlegt.
Die Deutsche Telekom lehnt verbindliche Abschaltfristen entschieden ab. Das Unternehmen argumentiert, solche Schritte verstoßen gegen deutsches Verfassungsrecht und EU-Vorgaben. Zudem sei der Rückbau der Kupferinfrastruktur wirtschaftlich unsinnig, da er bestehendes Kapital zerstöre. Die Telekom betont, ihr aktuelles Netz sei bereits leistungsfähig: Glasfaser reiche bis zu den Straßenverteilern und biete Geschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s. Zudem kritisiert das Unternehmen den Ministeriumsvorschlag, weil er veraltete kupferbasierte Kabel-TV-Netze außer Acht lasse. Eine Abschaltung von VDSL, warnt die Telekom, könnte Kunden zu Vodafones Koaxialnetzen treiben, die fünfmal mehr Energie verbrauchen als FTTH. Gleichzeitig unterstützt der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft (GdW) zwar den Glasfaserausbau, äußert aber Bedenken wegen aggressiver Haustürvertriebe und "staatlicher Drohungen", die Mieter verunsicherten. Der Verband fordert Preiskontrollen und eine Übergangsfrist von mindestens 24 Monaten. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mahnt zur Vorsicht: Ein zu frühes Abschalten der Kupfernetze – noch bevor eine voll funktionsfähige Alternative stehe – könnte die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gefährden.
Die Debatte um den Glasfaserausbau in Deutschland bleibt umstritten. Während Wettbewerber und die Regierung auf Tempo drängen, warnen Telekom und Wirtschaftsverbände vor rechtlichen, wirtschaftlichen und praktischen Risiken. Das Ergebnis wird die digitale Infrastruktur des Landes auf Jahre hinaus prägen.