Henriette Reker bereut umstrittene Silvester-Äußerungen nach Jahren der Kritik
Olav RuppertHenriette Reker zu ihrer 'Distanz' - Äußerung: 'Es war falsch' - Henriette Reker bereut umstrittene Silvester-Äußerungen nach Jahren der Kritik
Henriette Reker, die von 2015 bis 2025 Kölner Oberbürgermeisterin war, hat ihr Bedauern über ihre umstrittenen Äußerungen im Anschluss an die Silvesterangriffe 2015/16 geäußert. Das Ereignis, das eine bundesweite Debatte über Flüchtlingspolitik und Medienberichterstattung auslöste, veranlasste Reker einzugestehen, dass ihre Wortwahl unglücklich und irreführend gewesen sei.
Bei den Silvesterangriffen 2015 in Köln gab es 1.210 Strafanzeigen, darunter 511 wegen sexueller Übergriffe. Die Polizei erhob Anklage gegen 46 Personen, die meisten von ihnen mit nordafrikanischem Hintergrund. Das Ausmaß der Verbrechen löste landesweite Empörung aus und verschärfte die Kritik an der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel.
Reker hatte damals nahegelegt, Frauen hätten die Angriffe vermeiden können, indem sie „einen Arm Abstand“ zu Fremden hielten. Ihre Aussage stieß auf scharfe Kritik, viele warfen ihr vor, die Opfer statt die Täter in die Verantwortung zu nehmen. Zunächst verteidigte sie ihre Worte, entschuldigte sich später jedoch und räumte ein, dass ihre Bemerkung falsch und irreführend gewesen sei. Reker hatte während ihres Wahlkampfs 2015 selbst ein Messerattentat überlebt, was ihre öffentliche Bekanntheit weiter steigerte. Nach den Silvesterereignissen erhielt sie Rückendeckung von Olaf Scholz, damals Erster Bürgermeister Hamburgs. Während ihrer zehnjährigen Amtszeit wurde sie von wechselnden Koalitionen gestützt – zunächst aus CDU, Grünen und FDP, später nur noch von CDU und Grünen.
Rekers Entschuldigung kommt Jahre nach den Angriffen, die in der öffentlichen Diskussion über Kriminalität und Migration tiefe Spuren hinterließen. Ihr Eingeständnis unterstreicht die anhaltende Brisanz des Vorfalls und dessen politische Folgen. Der Fall bleibt eine der meistdiskutierten Episoden ihrer Amtszeit.