Holzingers Sancta polarisiert erneut an der Stuttgarter Staatsoper
Florentina Holzingers umstrittene Opernperformance Sancta kehrt an die Staatsoper Stuttgart zurück
Die Inszenierung, die Paul Hindemiths einst verbotenes Werk Sancta Susanna neu interpretiert, löste bei ihrer Premiere heftige Reaktionen aus – darunter 18 medizinische Vorfälle unter den Zuschauern. Während für die Oktober-Vorstellungen noch Karten verfügbar sind, sind die Termine im November bereits ausverkauft.
Ausgangspunkt für Sancta ist Hindemiths 1921 uraufgeführtes Stück Sancta Susanna, das damals als so provokant galt, dass die Stuttgarter Oper es wegen angeblicher Blasphemie ablehnte. Holzingers Version dreht die Erzählung um und rückt Frauenstimmen in den Mittelpunkt – in einem Raum, in dem sie historisch von Kirche und Tradition zum Schweigen gebracht wurden. Die Aufführung geht noch weiter als ihr vorheriges Werk Der rote Wal (2022), das ebenfalls opernkonventionelle Grenzen sprengte. Extreme Körperlichkeit, rituelle Elemente und konfrontative Publikumseinbindungen schaffen hier, was Dirigentin Marit Strindlund als eine "neue Form der Bühnenkunst" bezeichnet.
Die Proben zu Sancta verliefen ungewöhnlich dynamisch – selbst kurz vor der Premiere wurde noch neues Material eingebracht. Der kompromisslose Stil der Produktion, der schamanistische Ästhetik, Nacktheit und direkte Provokation verbindet, hat bereits Spuren hinterlassen. Bei der Premiere am Samstag benötigten trotz klarer Trigger-Warnung 18 Zuschauer medizinische Hilfe.
Strindlund, die bereits an experimentellen Projekten wie Der rote Wal mitwirkte, sieht in Sancta eine faszinierende Weiterentwicklung. Das Stück wird fünfmal aufgeführt: am 3., 4. und 5. Oktober, gefolgt von ausverkauften Terminen am 1. und 2. November.
Die Wiederbelebung von Sancta an der Staatsoper Stuttgart erweist sich als ebenso polarisierend wie ihre Vorlage. Mit restlichen Karten nur für Oktober zieht die Mischung aus radikaler Performance-Kunst und operntraditioneller Form weiterhin Aufmerksamkeit auf sich. Die bisherigen Zuschauerreaktionen deuten darauf hin, dass der konfrontative Ansatz des Werks noch lange nach dem letzten Vorhang Gesprächsstoff liefern wird.






