Ikon der Schwulenbewegung - Rosa von Praunheim stirbt - Ikon der Schwulenbewegung - Rosa von Praunheim stirbt
Ikone der Schwulenbewegung – Rosa von Praunheim stirbt mit 83 Jahren
Rosa von Praunheim, Pionier des queeren Kinos und der Schwulenrechte, ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Nur wenige Tage zuvor hatte er seinen langjährigen Lebensgefährten Oliver Sechting geheiratet. Mit seinen provokanten Filmen und seinem unerschrockenen Einsatz für die Rechte von Schwulen hinterlässt von Praunheim ein bleibendes kulturelles und politisches Erbe.
Geboren in Riga und von seiner Adoptivmutter Gertrud Mischwitzky großgezogen, erfuhr von Praunheim erst im Jahr 2000 von seiner Adoption. Seine leibliche Mutter, Edith Charlotte Radtke, war bereits 1946 verstorben; weitere Details über seine Herkunft deckte er 2006 auf. Sein privates Leben – darunter eine kurze Ehe mit Carla Egerer in den späten 1960er-Jahren und die jahrzehntelange Beziehung zu Sechting – prägte sein Werk und sein öffentliches Image.
Sein Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers“ (1971) löste Empörung aus und inspirierte die ersten Christopher-Street-Day-Paraden in Deutschland. Während der AIDS-Krise setzte er sich unermüdlich für Safer Sex ein und rettete damit vermutlich unzählige Leben. 1991 sorgte er für Schlagzeilen, als er den Talkmaster Alfred Biolek und den Komiker Hape Kerkeling live im Fernsehen outete.
Von Praunheims schöpferisches Schaffen beschränkte sich nicht auf das Kino: Er verfasste Theaterstücke und Bücher, kuratierte Ausstellungen wie „Nackte Männer – Nackte Tiere“ und realisierte bis zuletzt Projekte. Zu seinen letzten Werken zählen die Dokumentation „Rex Gildo: Der letzte Tanz“ (2025) und der Film „Satans Sau". Bekannt für seinen durchdringenden Blick und seine kompromisslose Haltung, forderte er seine Mitmenschen stets heraus. Einmal erklärte er: „Sex nach dem Tod – daran glaube ich fest“, und malte sich ein Jenseits voller nackter Männer und Tiere aus.
Mit seinen Filmen, seinem Aktivismus und seiner unangepassten Art veränderte Rosa von Praunheim die Sichtbarkeit queerer Menschen in Deutschland und weltweit. Sein Wirken in Film, Literatur und Gesellschaftspolitik sichert ihm einen dauerhaften Einfluss. Die Spuren seines Lebens und Schaffens bleiben in den Bewegungen spürbar, die er mitgeprägt hat.