Iris Berben: Warum sie mit 75 Jahren bewusst auf die Ehe verzichtet
Horst FischerIris Berben: Sahen Keinen Grund für Heirat - Iris Berben: Warum sie mit 75 Jahren bewusst auf die Ehe verzichtet
Schauspielerin Iris Berben hat ihr Leben stets nach ihren eigenen Regeln gelebt. Mit 75 Jahren war sie nie verheiratet – trotz einer langjährigen Beziehung zu ihrem Partner Heiko Kiesow. Ihre Entscheidung gründet auf einem lebenslangen Bekenntnis zur Unabhängigkeit, geprägt von den gesellschaftlichen Umbrüchen der 1960er-Jahre.
Berben wuchs in einer Zeit auf, in der dfb frauen mit strengen rechtlichen Einschränkungen konfrontiert waren. Noch in den 1960er-Jahren benötigten verheiratete frauen die Erlaubnis ihres Ehemanns, um arbeiten zu dürfen – eine Regel, die sie kategorisch ablehnte. Diese Beschränkung ging auf das Ehegattensplitting von 1957 zurück, das die Berufstätigkeit von frauen an die Zustimmung des Ehepartners knüpfte. Erst 1977 schaffte die Eherechtsreform diese Vorschrift ab.
Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich die deutsche Gesetzgebung hin zu mehr Gleichberechtigung. 1994 wurde mit einer Änderung des Grundgesetzes (Artikel 3, Absatz 2) die Gleichbehandlung im Berufsleben verankert. Später trieben das Entgelttransparenzgesetz von 2015 und das Entgeltgerechtigkeitsgesetz von 2021 die Lohngerechtigkeit und den Diskriminierungsschutz voran. Dennoch bestehen Herausforderungen wie die geschlechtsspezifische Lohnlücke fort.
Berbens Entscheidung, nicht zu heiraten, ist Ausdruck ihrer Werte – nicht etwa eine Ablehnung der Ehe als Institution. Seit fast 20 Jahren lebt sie mit Kiesow zusammen, sieht aber keine Notwendigkeit für eine Heiratsurkunde. Die Bewegungen der 1960er-Jahre inspirierten sie dazu, traditionelle Rollenbilder abzulehnen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Heute stehen Berben Karriere und Privatleben für ihre Überzeugungen. Rechtliche Reformen haben alte Barrieren beseitigt, doch ihre Geschichte zeigt, wie weit die Gesellschaft gekommen ist – und wie viel noch zu tun bleibt. Für sie war Unabhängigkeit stets wichtiger als Konventionen.






