28 December 2025, 02:31

Knigge-Experte warnt: Im Bundestag geht die Würde flöten – doch die Kleidung wird formeller

Eine Gruppe von Menschen sitzt an einem Tisch mit einem Krug, Papieren und einem Stift, während eine Person in der Mitte in ein Mikrofon spricht, mit einer weißen und blauen Flagge und einem Hintergrund, auf dem "ehrenwerte kamara de" steht.

Knigge-Experte warnt: Im Bundestag geht die Würde flöten – doch die Kleidung wird formeller

Im Deutschen Bundestag nimmt die Umgangsform ab – ein Etikette-Experte schlägt Alarm

Laut einem führenden Benimm-Experten lässt die Würde im Deutschen Bundestag zunehmend nach. Clemens Graf von Hoyos, Vorsitzender der Deutschen Knigge-Gesellschaft, verwies auf wachsende Störungen und emotionale Ausbrüche während der Debatten. Zudem beobachte er eine Zunahme performativen Verhaltens, das vor allem auf virale Online-Momente abziele.

Hoyos nannte häufige Zwischenrufe, laute Proteste und ein generelles Fehlen von Fassung unter den Abgeordneten. Solche Vorfälle untergrüben, so seine Argumentation, die Ernsthaftigkeit der parlamentarischen Arbeit. Gleichzeitig stellte er jedoch eine positive Entwicklung fest: Immer mehr Abgeordnete legten Wert auf formelle Kleidung und zeigten damit Respekt vor der Institution.

Auch Alexander Hoffmann (CSU), der aktuelle Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sorgt mit seinem lässigen Auftreten für Aufmerksamkeit. Seit seiner Wahl 2025 fällt er durch eine ungebügelte, entspannte Haltung während der Sitzungen auf – ein Bruch mit traditionellen Erwartungen.

Hoyos betonte, dass zwar die äußere Erscheinung besser geworden sei, der Ton der Debatten aber nach wie vor konfrontativ bleibe. Er forderte eine Rückkehr zu sachlicheren und respektvolleren Diskussionen im Plenarsaal.

Der Ruf des Bundestags als Ort geordneter Debattenkultur scheint zu bröckeln. Hoyos’ Aussagen deuten darauf hin, dass sich störendes Verhalten ohne Gegenmaßnahmen weiter verfestigen könnte. Sein Appell für mehr Anstand kommt zu einer Zeit, in der parlamentarische Sitzungen zunehmend hitziger werden – und sich immer weniger auf inhaltliche Auseinandersetzungen konzentrieren.