Kölner Initiative fordert soziale Sicherheit statt mehr Polizei und Überwachung in Kalk

Olav Ruppert
Olav Ruppert
2 Min.
Eine Gruppe von Menschen, die auf dem Boden steht und eine Fahne hält, auf der 'Rechte für alle Menschen Stoppt Polizeigewalt' steht, mit einem Straßenschild, einem Schild, Bäumen, Gebäuden mit Fenstern und einem bewölkten Himmel im Hintergrund.Olav Ruppert

Kölner Initiative fordert soziale Sicherheit statt mehr Polizei und Überwachung in Kalk

Neue Kampagne in Köln: Mehr soziale Sicherheit statt Überwachung und Polizeipräsenz

In Köln formiert sich Widerstand gegen die verstärkte Polizeipräsenz und Überwachung in benachteiligten Stadtteilen. Die Initiative "Sicherheit für Alle" argumentiert, dass echte Sicherheit nicht durch mehr Kameras oder Streifen, sondern durch die Deckung grundlegender Bedürfnisse entsteht. Aktivist:innen erproben diesen Ansatz nun in Kalk – einem Viertel, das von Behörden häufig als "Kriminalitätsschwerpunkt" stigmatisiert wird.

Seit Jahren ist Kalk von verschärften Polizeimaßnahmen im Rahmen des Kölner "Masterplans Kommunale Sicherheit" betroffen. Das Programm zielt auf Gebiete mit hoher Armutsquote und hohem Migrant:innenanteil ab und führt zu häufigen Razzien und Überwachungseinsätzen. Politiker:innen und Polizei rechtfertigen die konzentrierten Kontrollen und Tools wie die Datensammelsoftware "Gotham" mit der angeblichen Gefahrenlage in Kalk.

Die Aktivist:innen von "Sicherheit für Alle" lehnen dieses Modell ab. Sie verweisen auf den rassistischen Anschlag von Hanau 2020, bei dem neun Menschen ermordet wurden, während Notdienste versagten. Cuso Ehrich, Sprecher:in der Kampagne, zog bei einer jüngsten Gedenkveranstaltung direkte Parallelen zwischen Hanau und Köln. Beide Städte setzten demnach auf Polizeistrategien, die migrantische Communities kriminalisierten, statt strukturelle Probleme zu lösen.

Statt auf Überwachung setzt die Initiative auf gemeindegetragene Sicherheitsprojekte. Dazu gehören das Bündnis "Kalk Solidarisch" und das Nachbarschaftszentrum "Toni", die sich für bezahlbaren Wohnraum, Nahrungsmittelsicherheit und Gesundheitsversorgung einsetzen – unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Ziel ist es zu beweisen, dass soziale Absicherung, nicht Polizeipräsenz, nachhaltige Sicherheit schafft.

Kritik an Kölns Ausbau von Überwachungskameras und Datentools wird lauter. Aktivist:innen warnen, dass Gesichtserkennung und permanente Observation Gewalt nicht verhindern, sondern Misstrauen schüren. Ihr Gegenentwurf basiert auf Vertrauen, Ressourcen und lokalen Netzwerken statt auf staatlicher Kontrolle von oben.

Die Kampagne "Sicherheit für Alle" stellt Kölns Sicherheitspolitik weiterhin infrage. Indem sie in Kalk soziale Bedürfnisse in den Mittelpunkt rückt, will sie zeigen, dass Gemeinschaftsunterstützung Schaden wirksamer verringert als Polizeieinsätze. Die Debatte um Sicherheit in der Stadt dreht sich nun darum, ob die Verantwortlichen Mittel von Überwachung in soziale Programme umschichten werden.

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