Lieferando feuert 1.500 Kurierfahrer – doch die Politik will Festanstellungen erzwingen
Ariane HolzapfelLieferando feuert 1.500 Kurierfahrer – doch die Politik will Festanstellungen erzwingen
Deutschlands Essenslieferbranche steht vor tiefgreifenden Veränderungen, da die Länderarbeitsminister für strengere Beschäftigungsregeln drängen. Die Arbeits- und Sozialministerkonferenz (ASMK) hat ein Verbot von Subunternehmern gefordert und verlangt, dass Plattformarbeiter künftig direkt angestellt werden müssen. Gleichzeitig plant Lieferando, 1.500 Kurierstellen abzubauen und die Beschäftigten durch selbstständige Subunternehmer über Drittfirmen zu ersetzen.
Die ASMK beschloss einen Antrag, der Lieferplattformen verpflichtet, Fahrradkurriere fest anzustellen. Die Minister kritisierten, das aktuelle System nutze rechtliche Schlupflöcher aus und setze die Beschäftigten prekären Arbeitsbedingungen aus. Karl-Josef Laumann, Arbeitsminister von Nordrhein-Westfalen, wies auf die weit verbreitete Jobunsicherheit als zentrales Problem hin.
Berlins Arbeitssenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) unterstützte den Beschluss und bezeichnete ihn als notwendigen Schritt zum Schutz der Arbeitnehmer. Zudem stellte sie sich öffentlich hinter streikende Lieferfahrer und forderte die Bundesregierung zum Handeln auf. Die SPD hatte bereits mehrfach schärfere Regulierungen für den Sektor gefordert.
Lieferando kündigte im Juli 2025 an, 1.500 der 10.000 Kurierkräfte durch selbstständige Subunternehmer zu ersetzen, die über Unternehmen wie Fleetlery vermittelt werden. Das Unternehmen will so die Kosten senken – noch vor den für 2026 geplanten Reformen, die rechtliche Grauzonen für Scheinselbstständige schließen sollen. Ohne Anpassungen drohen den Plattformen Umstufungen der Beschäftigungsverhältnisse sowie Nachzahlungen für Sozialabgaben.
Das Bundesarbeitsministerium arbeitet derzeit an einem Gesetz zur Umsetzung der EU-Plattformarbeitsrichtlinie, das Unternehmen zwingen könnte, Kurierfahrer als Angestellte statt als freie Mitarbeiter zu behandeln.
Der ASMK-Beschluss erhöht den Druck auf die Bundesregierung, in der Essenslieferbranche direkte Arbeitsverhältnisse durchzusetzen. Sollten die neuen Regeln verabschiedet werden, müssten Unternehmen wie Lieferando ihr Geschäftsmodell grundlegend ändern. Die Entscheidung wird darüber entscheiden, ob Zehntausende Kurierfahrer stabile Verträge erhalten – oder weiter in flexiblen, aber unsicheren Arbeitsverhältnissen bleiben.