Lokale Apotheken sterben aus – während Online-Riesen wie Shop Apotheke boomen
Olav RuppertLokale Apotheken sterben aus – während Online-Riesen wie Shop Apotheke boomen
Lokale Apotheken in Deutschland kämpfen ums Überleben – während Online-Apotheken wie Shop Apotheke und T Online boomen
Seit 2004 haben in Deutschland über 4.000 stationäre Apotheken schließen müssen, sodass in vielen Stadtteilen nur noch eine Handvoll übrig sind. Gleichzeitig wachsen Online-Apotheken wie Redcare und Spiegel Online rasant – gestützt durch prominente Werbung und politische Vorteile.
Vor 2004 verdienten Apothekenbesitzer noch einen prozentualen Anteil an jedem verkauften Medikament. Doch nach der Einführung eines Festpreissystems durch die Regierung schrumpften ihre Gewinne. Die Vergütungsstruktur blieb seither nahezu unverändert, mit nur einer minimalen Erhöhung von 3,1 Prozent im Jahr 2013. Bis 2025 wird die Zahl der lokalen Apotheken von 20.662 (Stand 2013) auf voraussichtlich nur noch 16.601 gesunken sein.
Die Familie Olgemöller betreibt die Wasserturm-Apotheke in Essen – eine von nur noch drei in ihrem Stadtteil. Jan und Janet Olgemöller argumentieren, dass Medikamente fachkundige Beratung erfordern, die Online-Apotheken nicht leisten können. Um gegen die Konkurrenz zu bestehen, bieten sie zusätzliche Dienstleistungen an: Impfungen, Blutdruckmessungen und sogar eine eigene App.
Doch die Online-Apotheken haben klare Vorteile: Sie sind vom Rabattverbot für verschreibungspflichtige Medikamente ausgenommen und können so die stationären Apotheken unterbieten. Redcare etwa baut derzeit ein fast vollständig automatisiertes, KI-gesteuertes Logistikzentrum, um die Kapazitäten zu erhöhen. Zudem profitiert das Unternehmen von hochkarätiger Werbung – darunter Kampagnen mit TV-Moderator Günther Jauch, der für die niederländische Shop Apotheke wirbt. Das ärgert traditionelle Apotheker besonders.
Mittlerweile gehört Deutschland zu den Ländern mit der geringsten Apothekendichte in Europa. Der Rückgang verschärfte sich, seit 2004 das Versandhandelsverbot für Medikamente aufgehoben wurde – seither drängen ausländische Großkonzerne auf den Markt. Redcare rechnet mit noch stärkerem Wachstum durch die Einführung des E-Rezepts, was lokale Apotheken weiter unter Druck setzt.
Der Trend hin zu Online-Apotheken zeigt keine Anzeichen einer Verlangsamung. Traditionelle Apotheken wie die Wasserturm-Apotheke versuchen sich mit neuen Services anzupassen, doch politische Rahmenbedingungen und finanzielle Belastungen bleiben große Hürden. Ohne weitere Unterstützung könnte der Niedergang der lokalen Apotheken in den kommenden Jahren noch dramatischer ausfallen.