Mainzer Fasching bricht mit Tradition: Erste Frau als Chefprotokollantin
Olav RuppertFrauen-Debüt bei "Mainz bleibt Mainz" - Mainzer Fasching bricht mit Tradition: Erste Frau als Chefprotokollantin
Die 71. Ausgabe der "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht"-Revue hat Geschichte geschrieben: Erstmals wurde mit Christina Grom eine Frau zur Chefprotokollantin des traditionsreichen Fasching-Festes ernannt. Damit brach die fast 200 Jahre alte Meenzer Faschingszeit mit einer langjährigen Tradition – ein Meilenstein für das Kulturevent. Die diesjährige Show bot zudem vertraute Gesichter und scharfe politische Satire auf der Bühne.
Andreas Schmitt kehrte als Moderator zurück und beendete die Revue in seiner Paraderolle als "Hoher Altardiener" des Mainzer Doms. In seiner Performance schickte er eine spielerisch gemeinte Botschaft an Papst Leo XIV. und wünschte ihm Fortschritte bei der Gleichberechtigung der Geschlechter. Schmitt scherzte sogar über eine Zukunft, in der einst eine Papstin Christina den "Urbi et Orbi"-Segen sprechen könnte.
Christina Grom stand im Mittelpunkt mit beißendem Humor, der sich gegen politische Persönlichkeiten richtete. Im Visier hatte sie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sowie den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump. Einer ihrer prägnantesten Sprüche schlug vor, der Himmel möge die Gutenberg-Bibel – als Verbindung zwischen Washington und Mainz – nutzen, um Trumps "aufgeblähten Kopf" Luft abzulassen.
Auch Jürgen Wiesmann feierte sein 25. Jubiläum in der Rolle des beliebten Karnevalscharakters Ernst Lustig. Die Revue blieb ihrem Markenzeichen treu: eine Mischung aus absurder Komik und scharfzüngiger Politikkritik, die das Event seit seiner Premiere 1955 prägt. Durch einen neuen Vier-Jahres-Vertrag mit einem Sender gesichert, verbindet die Show weiterhin Generationen und bewahrt ihre regionale Verwurzelung.
Die diesjährige Ausgabe markierte mit Groms historischer Rolle als erste Protokollchefin einen Wendepunkt. Gleichzeitig blieb die Veranstaltung ihrem Ruf als Plattform für freche Satire und kulturelles Erbe treu. Mit ihrem Mix aus Humor und gesellschaftlicher Kritik bleibt die Faschingszeit ein unverzichtbarer Bestandteil der Mainzer Identität.