Marathon-Theater erlebt in Deutschland ein spektakuläres Comeback nach der Pandemie
Ariane HolzapfelMarathon-Theater erlebt in Deutschland ein spektakuläres Comeback nach der Pandemie
Deutsche Theater bringen ultra-lange Aufführungen zurück – ein Trend, der während der Pandemie in den Hintergrund geriet
Das diesjährige Berliner Theatertreffen präsentierte marathonartige Inszenierungen, deren Tickets innerhalb kürzester Zeit ausverkauft waren. Das Publikum begeistert sich erneut für ausufernde, immersive Live-Erlebnisse, die sich über viele Stunden erstrecken.
Die Tradition des Marathon-Theaters in Deutschland reicht Jahrzehnte zurück. Schon Einstein on the Beach von Robert Wilson, 1976 uraufgeführt, dauerte vier bis fünf Stunden. Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiel 1999 setzte noch einen drauf: Die Produktion dauerte volle zwölf Stunden.
Nora Hertlein-Hull, Leiterin des Berliner Theatertreffens, erlebte ihre erste ultra-lange Inszenierung im Jahr 2007. Das diesjährige Festival (1. bis 17. Mai) zeigte Wallenstein: Ein Festmahl in sieben Gängen – ein siebenstündiges Epos der Münchner Kammerspiele. Das Schauspielhaus Bochum brachte 2023 Die Brüder Karamasow in einer sieben Stunden dauernden Fassung auf die Bühne.
Die Berliner Volksbühne bereitet nun die Wiederbelebung von Peer Gynt vor, dessen erste Fassung einst acht Stunden dauerte. Zwar erfasst der Deutsche Bühnenverein keine Spieldauern, doch der Trend ist unübersehbar: Theater wagen sich wieder an ambitionierte, zeitintensive Werke.
Die Rückkehr der Marathon-Aufführungen zeigt ein erneutes Verlangen nach immersivem Theater. Produktionen wie Wallenstein oder Peer Gynt ziehen Publikumsmagnete an und beweisen, dass langformatiges Erzähltheater auf deutschen Bühnen nach wie vor seinen Platz hat. Bei ausverkauften Festivals deutet alles darauf hin, dass dieser Trend weiter an Fahrt gewinnt.






