10 June 2026, 16:13

Nadav Lapid zieht sich nach Boykott-Druck vom FID Marseille zurück

Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard verteidigen den israelischen Regisseur Nadav Lapid: 'Der kulturelle Boykott ist ein intellektuelles Versagen'

Nadav Lapid zieht sich nach Boykott-Druck vom FID Marseille zurück

Der israelische Regisseur Nadav Lapid hat sich vom internationalen Filmfestival FID Marseille zurückgezogen, nachdem eine wachsende Boykottkampagne gegen ihn Fahrt aufgenommen hatte. Der Streit begann, als Filmemacher ihre Werke aus Protest gegen seine Beteiligung aus dem Programm nahmen. Festivalleiterin Tsveta Dobreva hatte ihn ursprünglich ausschließlich wegen seiner künstlerischen Verdienste eingeladen.

Lapid sollte als Jurymitglied bei der Veranstaltung fungieren. Seine Anwesenheit löste jedoch massive Kritik aus – rund zehn Filmemacher zogen ihre Filme aus dem Festival zurück. Unter diesem Druck erklärte er schließlich seinen Rücktritt, um weitere Störungen zu vermeiden.

Dobreva räumte ein, dass sie trotz ihrer anfänglichen Bewunderung für sein Werk zunehmend aufgefordert worden war, die Einladung zurückzuziehen. Lapid, ein scharfer Kritiker der Regierung von Benjamin Netanyahu, lebt seit 2021 in selbstgewähltem Exil in Frankreich.

Die Solidarität mit Lapid wuchs schnell. Über 350 Branchenvertreter, darunter Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard, unterzeichneten einen offenen Brief, in dem sie den Boykott verurteilten. Die französische Tageszeitung Le Monde veröffentlichte zwei Stellungnahmen zu seiner Verteidigung. Eine davon mit dem Titel „Kino ist keine Botschaft“ bezeichnete die Kampagne gegen ihn als Einschüchterungsversuch. Der Text warnte, dass sein Ausschluss von einem französischen Festival als alarmierendes Signal für die Branche zu werten sei, und plädierte für Dialog statt Ausgrenzung.

Lapid äußerte zwar Frustration über den eskalierenden Druck, willigte aber ein, sich zurückzuziehen, um das Festival zu schützen. Sein jüngster Film „Yes“ wurde von Variety als schonungslose Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus beschrieben.

Letztlich erreichte der Boykottversuch sein Ziel und führte zu Lapids Abgang vom Festival. Doch die offenen Briefe und Stellungnahmen zeigen, wie stark der Widerstand gegen kulturelle Ausgrenzung ist. Die Debatte über seine Teilnahme hat in der Filmbranche weitreichende Aufmerksamkeit erregt.

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