NRW führt Pflicht-ABC-Kurse für Kinder mit Sprachdefiziten ein – doch die Kritik wächst
Horst FischerNRW führt Pflicht-ABC-Kurse für Kinder mit Sprachdefiziten ein – doch die Kritik wächst
Nordrhein-Westfalen führt verpflichtende "ABC-Kurse" für Kinder mit Sprachdefiziten ein
Kinder, die vor der Einschulung in frühen Sprachtests durchfallen, müssen in Nordrhein-Westfalen künftig verpflichtende Förderkurse besuchen. Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) betont, dass kein Kind die Schule ohne ausreichende Deutschkenntnisse beginnen solle. Doch der Plan stößt auf Kritik – vor allem wegen logistischer Hürden und knapper Ressourcen.
Laut der neuen Regelung müssen Kinder mit unzureichenden Sprachkenntnissen vorbereitende Kurse besuchen, um ihre Deutschfähigkeiten vor dem Schulstart zu verbessern. Kritiker monieren jedoch, dass das Problem damit nur von den Kitas in die ohnehin überlasteten Grundschulen verlagert werde.
Insbesondere in Städten wie Solingen arbeiten die Grundschulen bereits am Limit. Viele Schulen haben nicht genug Klassenzimmer, sodass Nachmittagsangebote teilweise in Provisorien wie Containern stattfinden müssen. Unklar bleibt: Wo sollen die neuen ABC-Kurse untergebracht werden?
Ein weiteres Problem ist der Transport der Kinder, die mehrmals pro Woche von der Kita zur Schule gebracht werden müssten. Bildungsexperten warnen, dass die zusätzliche Belastung Sozialpädagog:innen überfordern und die Unterrichtsqualität beeinträchtigen könnte. Der Fachkräftemangel ist ohnehin dramatisch – viele Stellen für qualifiziertes Personal bleiben unbesetzt.
Auch die Finanzierung bereitet den Kommunen Kopfzerbrechen. Das Land hat keine ausreichenden Mittel für Neubauten oder Planung bereitgestellt, sodass die Gemeinden die Mehrbelastung allein stemmen müssen. Gleichzeitig verschärft sich der Lehrkräftemangel an Grundschulen, und ausgefallener Unterricht häufen sich.
Ziel der ABC-Kurse ist es, dass Kinder mit besseren Deutschkenntnissen in die Schule starten. Doch ohne zusätzliche Räume, Personal oder Finanzierung droht die Maßnahme den Druck auf ein bereits überlastetes System weiter zu erhöhen. Schulen und Kommunen stehen nun vor der Herausforderung, die Änderungen mit begrenzten Mitteln umzusetzen.