14 February 2026, 08:30

NRW plant radikale Kita-Reform: Kernzeiten sollen Personalnot lindern

Ein Plakat mit dem Text "Brauchen die Armen ihre Kinder's Hilfe?" begleitet von Bildern.

NRW plant radikale Kita-Reform: Kernzeiten sollen Personalnot lindern

Nordrhein-Westfalens neue Kinderministerin Verena Schäffer von den Grünen unterstützt umstrittene Pläne zur Einführung von Kernbetreuungszeiten in Kitas. Mit dem Vorhaben soll der akute Mangel an qualifizierten Fachkräften im Bereich der frühkindlichen Betreuung durch eine Umstrukturierung der Personaleinsatzmodelle im Land bekämpft werden.

Laut dem überarbeiteten Kinderbildungsgesetz würden die Einrichtungen ihren Tagesablauf künftig in zwei Phasen unterteilen: Voll ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher würden täglich fünf Stunden "Kernzeit" abdecken, während die verbleibenden "Randzeiten" von ergänzendem Personal mit einer verkürzten zweijährigen Ausbildung – statt der üblichen drei Jahre – betreut würden.

Schäffer betont, dass das aktuelle System so nicht weiterfunktioniere. Die Reform solle dem unter chronischem Personalmangel leidenden Sektor mehr Planbarkeit verschaffen. Die Ministerin präsentiert das "Kern-und-Randzeiten-Modell" zudem als Übergangslösung, um Kitas auch bei unbesetzten Erzieherstellen offenhalten zu können.

Ähnliche Systeme mit festen Betreuungskernzeiten wurden bereits in anderen Bundesländern erprobt. In Bayern und Hessen führten verlängerte Öffnungszeiten seit 2023 zwar zu mehr Flexibilität für berufstätige Eltern, gleichzeitig aber zu Personalengpässen, höheren Kosten und einer erhöhten Arbeitsbelastung der Fachkräfte. Länder wie Schweden und Dänemark setzen hingegen erfolgreich auf flexible Betreuungsmodelle – gestützt durch ausreichend Personal und staatliche Förderung. Frankreich hingegen kämpft mit Umsetzungsproblemen, unter anderem wegen Streiks und uneinheitlicher Regelungen.

Die geplanten Änderungen würden den Kita-Betrieb in Nordrhein-Westfalen grundlegend verändern. Durch den Einsatz von Ergänzungskräften in den Randzeiten hofft die Landesregierung, die Belastung des Systems zu verringern. Ob das Modell gelingt, hängt jedoch davon ab, ob es gelingt, Personalstand, Ausbildungsstandards und die Bedürfnisse berufstätiger Familien in Einklang zu bringen.