16 March 2026, 18:20

Pflege in Deutschland: Freiheit wählen – aber wer zahlt die Rechnung?

Eine ältere Frau liegt in einem Krankenhausbett mit einer weißen Decke und einem Kissen, während eine Krankenschwester neben ihr steht, mit einem Fenster und Vorhängen im Hintergrund.

Pflege in Deutschland: Freiheit wählen – aber wer zahlt die Rechnung?

Deutschlands Pflegesystem bietet Flexibilität – doch die Kosten bleiben eine Hürde

Das deutsche Langzeitpflegesystem gibt Menschen die Freiheit, selbst zu entscheiden, wie und wo sie Unterstützung erhalten. Sie können sich für eine stationäre Pflegeeinrichtung entscheiden, Hilfe durch Angehörige oder professionelle Kräfte zu Hause in Anspruch nehmen oder beides kombinieren. Doch trotz dieser Wahlmöglichkeiten stellen hohe Eigenanteile für viele eine erhebliche Belastung dar.

Der Großteil der Pflegebedürftigen in Deutschland – 85,9 Prozent – wird zu Hause versorgt. Mehr als die Hälfte von ihnen, 54,5 Prozent, ist ausschließlich auf Angehörige angewiesen. Diese leisten im Schnitt 49 Stunden Pflege pro Woche, wobei ihre unentgeltliche Arbeit mit etwa 15 Euro pro Stunde bewertet wird.

Doch auch die häusliche Pflege ist mit hohen Kosten verbunden. Die monatlichen Eigenanteile liegen zwischen 340 und 7.441 Euro, im Median bei 2.085 Euro. Anders als in Pflegeheimen sinken diese Ausgaben mit der Zeit nicht – selbst wenn der Pflegebedarf weiter steigt. Schwerstpflegebedürftige können monatliche Belastungen von über 7.000 Euro gegenüberstehen.

Auch stationäre Einrichtungen fordern von den Bewohnerinnen und Bewohnern hohe finanzielle Opfer. 2024 betrug die durchschnittliche monatliche Belastung im ersten Jahr 2.907 Euro – ein Drittel der Heimbewohner war bereits auf Sozialhilfe angewiesen. Während die Kosten für die häusliche Pflege stark variieren, werden sie von der Pflegeversicherung nur selten vollständig gedeckt.

Kritik an der mangelnden Unterstützung für die ambulante Pflege wird immer lauter. Der Bundesverband der Angehörigenpflegenden weist darauf hin, dass das System die finanziellen Belastungen weder ausreichend anerkennt noch abfedert. Die Bundesregierung strebt nun an, die Pflegereformen bis Ende 2026 abzuschließen, um die Bezahlbarkeit und Nachhaltigkeit zu verbessern.

Das aktuelle System ermöglicht zwar die freie Wahl des Pflegearrangements, doch die hohen Eigenanteile bleiben ein Hindernis. Mit den geplanten Reformen bis 2026 wollen die Verantwortlichen die Finanzierbarkeit von ambulanter und stationärer Pflege verbessern. Bis dahin werden viele weiter unter erheblicher finanzieller Belastung leiden.

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