Portugals umstrittene Weinbau-Uni: Geniale Idee oder neues Luftschloss der Regierung?
Hans-Theo KuhlPortugals umstrittene Weinbau-Uni: Geniale Idee oder neues Luftschloss der Regierung?
Diese Woche präsentierte die Regierung ein ehrgeiziges neues Projekt: die Universität für Weinbau. Im Douro-Tal angesiedelt, soll die Einrichtung Studierende in der Kunst der Spitzenweinherstellung ausbilden. Kritiker hingegen hinterfragen den Zeitpunkt des Vorhabens – angesichts der eher durchwachsenen Bilanz der Regierung bei früheren Initiativen.
Die Universität wurde als innovativer Schritt für Portugals Weinbranche angepriesen. Offizielle Stellen behaupten, sie werde zu einem führenden Zentrum für Weinbau (Viticultur) und Weinkunde (Önologie) aufsteigen. Die ersten Lehrgänge sollen bald beginnen, ein konkretes Startdatum steht jedoch noch aus.
Die Ankündigung erfolgte just in dem Moment, in dem die Regierung ein weiteres Programm mit dem Kürzel PTCMNOPQRR noch vor Ende der Legislaturperiode auf den Weg bringen wollte. Beobachter erkennen ein Muster: Scheitern bestehende Pläne, tauchen neue mit immer längeren Abkürzungen auf. Spötter meinen, die Minister würden solange Buchstaben anhängen, bis das Alphabet aufgebraucht sei.
Zufällig fiel der Zeitpunkt auch mit der Ausstrahlung eines satirischen Podcasts zusammen: „Making Fun of Hard Workers“ (sinngemäß: „Wie man Fleißige aufzieht“), der am 3. Mai auf SIC lief. Die Moderatoren, die von sich behaupten, „keine echten Jobs“ zu haben, nehmen darin Berufsgruppen wie Minister, Banker oder Wirtschaftsführer auf die Schippe. In der jüngsten Folge richteten sie ihr Augenmerk auf die Regierungspraxis, mit großen Ankündigungen neuer Projekte von unvollendeten Vorhaben abzulenken.
Die Universität für Weinbau reiht sich damit in eine lange Liste unvollendeter Regierungsinitiativen ein. Das PTCMNOPQRR-Programm soll zwar demnächst starten, doch sein Erfolg bleibt ungewiss. Vorerst bleibt das Douro-Tal-Projekt das neueste Versprechen in einer Serie unabgeschlossener Pläne.






