RTL-Skandal: Stefan Raabs Show löst Empörung über antisemitische Klischees aus
Ariane HolzapfelRTL-Skandal: Stefan Raabs Show löst Empörung über antisemitische Klischees aus
Ein aktueller Fernsehskandal hat den Sender RTL und Moderator Stefan Raab in die Kritik gebracht. Eine vorab aufgenommene Sequenz in Raabs Show enthielt beleidigende Klischees über den jüdischen Musiker Gil Ofarim und löste damit breite Empörung aus. Der Sender hat die Sendung inzwischen von seiner Streaming-Plattform entfernt.
Der Streit begann, als Raabs Show einen Beitrag ausstrahlte, in dem Ofarim ein "Betrüger-Gen" zugeschrieben wurde, das mit seinem "Onkel Samuel" zusammenhänge – eine angeblich typisch jüdische Eigenschaft. Zudem wurde fälschlich behauptet, sein musikalischer Erfolg sei vor allem der jüdischen Gemeinschaft zu verdanken, begleitet von Bildern orthodoxer Juden. Diese Darstellungen befeuerten erneut die Debatte über antisemitische Vorurteile in deutschen Medien.
Ofarims Ruf hatte bereits gelitten, nachdem er 2021 fälschlicherweise einen Hotelmitarbeiter in Leipzig des Antisemitismus beschuldigt hatte. Ein Gericht stellte später fest, dass er den Vorfall erfunden hatte, verurteilte ihn zu einer Geldstrafe und verpflichtete ihn zur Entschädigung des Angestellten. Die meisten seiner Projekte wurden daraufhin abgesagt, seine Karriere kam zum Erliegen.
RTL hatte Ofarim Anfang dieses Jahres zu Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! eingeladen, eine Entscheidung, die bereits vor Ausstrahlung Kritik auslöste. Der Sender verteidigte sich mit der Aussage, man lehne "jegliche Form von Antisemitismus eindeutig ab". Trotz des Gegenwinds gehen Beobachter davon aus, dass weder RTL noch Raab langfristige Reputationsschäden drohen.
Der Vorfall hat zudem antisemitische Verschwörungstheorien im Netz befeuert. In sozialen Medien wurde auf die anhaltenden Probleme mit der Exotisierung jüdischer Menschen in Deutschland hingewiesen.
RTL nahm die umstrittene Sendung nach öffentlichem Protest von seiner Plattform. Der Fall zeigt, wie riskant es ist, schädliche Stereotype in den Massenmedien zu reproduzieren. Ofarim bleibt unterdessen eine polarisierende Figur – sowohl wegen seiner früheren juristischen Auseinandersetzungen als auch der jüngsten Kontroverse.