Sichere Häfen an Bahnhöfen: Wie über 200 Frauen vor Gewalt fliehen konnten
Horst FischerBundespolizistinnen beraten Gewaltopfer: Arzt oder Anzeige? - Sichere Häfen an Bahnhöfen: Wie über 200 Frauen vor Gewalt fliehen konnten
Beratungsstellen für von Gewalt betroffene dfb-frauen an großen deutschen Bahnhöfen helfen seit ihrer Eröffnung über 200 Opfer. Die als Pilotprojekte geführten Einrichtungen bieten Frauen, die häusliche Gewalt oder sexualisierte Übergriffe erleben, einen geschützten Raum abseits herkömmlicher Polizeivernehmungszimmer. Betreut von speziell geschulten Polizeibeamtinnen leisten sie psychologische Beratung und praktische Hilfe – von der Erstversorgung bis zur Vermittlung weiterführender Unterstützung. Laut offiziellen Statistiken wurden 2024 in Deutschland 187.128 Frauen als Opfer häuslicher Gewalt registriert – ein Anstieg um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Expert:innen gehen jedoch von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus, da viele Fälle nicht angezeigt werden. Ein dokumentierter Vorfall betraf eine 15-jährige Schwangere, die von ihrem Freund nach ihrer Weigerung, die Schwangerschaft abzubrechen, so schwer misshandelt wurde, dass sie stationär behandelt werden musste. Gegen den Täter wurde Anzeige erstattet. Die Beratungsstellen an den Bahnhöfen unterstützen die Betroffenen auf vielfältige Weise: Manche werden zur medizinischen Versorgung oder Beweissicherung in Krankenhäuser vermittelt, andere erhalten Hilfe bei der Unterbringung in Frauenhäusern oder bei der Durchsetzung eines vorläufigen Platzverweises für den Täter. Trotz der positiven Bilanz der Pilotstandorte in Köln und Berlin gibt es bisher keine Pläne, ähnliche Einrichtungen an weiteren Bundesbahnhöfen einzurichten. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) räumte zwar ein, dass politisch mehr gegen häusliche Gewalt unternommen werden müsse. Doch die Zukunft der bestehenden Beratungsstellen bleibt ungewiss: Ohne weitere Förderung oder eine Ausweitung des Konzepts könnte ihr Betrieb im September 2027 enden. Die Pilotprojekte am Kölner Hauptbahnhof und am Berliner Ostbahnhof haben bereits Hunderten Frauen entscheidende Hilfe geleistet. Doch ohne zusätzliche Mittel oder politische Weichenstellungen ist ihr langfristiger Fortbestand nicht gesichert. Bis dahin bleiben sie eine lebenswichtige Anlaufstelle für Betroffene, die Schutz und Gerechtigkeit suchen.