Stiefväter zwischen Klischee und Anerkennung: Wie Medien sie darstellen
Horst FischerStiefväter zwischen Klischee und Anerkennung: Wie Medien sie darstellen
Stiefväter und Stiefmütter werden in Medien und Kultur seit langem ambivalent dargestellt. Während einige Darstellungen ins Komische abdriften, zeigen andere sie als Schurken oder Nebenfiguren. In Deutschland setzte eine der ersten Sitcoms mit dem Thema Patchworkfamilie auseinander – allerdings nicht immer schmeichelhaft für Stiefväter.
Die Serie Ich heirate eine Familie (Ich heirete eine Familie) lief von 1983 bis 1986 auf ZDF und war die erste westdeutsche Produktion, die eine Patchworkfamilie in den Mittelpunkt stellte. Peter Weck spielte Werner Schumann, den Stiefvater, während Thekla Carola Wied in die Rolle der Angelika "Angie" Graf schlüpfte. Trotz des innovativen Ansatzes reduzierte die Serie den Stiefvater oft auf eine komische Randfigur statt ihn als zentrale Person zu zeigen.
In der breiten Kultur sehen sich Stiefväter häufig negativen Klischees ausgesetzt. Hollywood-Filme zeichnen sie – wie auch leibliche Väter – mitunter als böse Charaktere. Besonders Stiefväter werden oft in ungünstigem Licht präsentiert, selbst wenn sie die Lücke füllen, die abwesende biologische Väter hinterlassen. Auch Stiefmütter kämpfen mit einem schlechten Ruf, vor allem in religiös-patriarchalen Gesellschaften, Märchen und bestimmten Medienformaten. In den USA werden Stiefväter und Patchworkfamilien mit eigenen Gedenktagen gewürdigt: Der National Stepfamily Day findet jährlich am 16. September statt, der National Stepfather’s Day wird am dritten Freitag im September begangen.
Von frühen Sitcoms bis zu modernen Gedenktagen bleibt die Rolle des Stiefvaters ein komplexes Thema. Während das deutsche Fernsehen sie einst als komische Nebenfiguren inszenierte, widmet die US-amerikanische Kultur heute Tage an, um ihre Leistungen anzuerkennen. Die Darstellung von Patchworkfamilien entwickelt sich weiter und spiegelt so den Wandel gesellschaftlicher Einstellungen wider.