Studie enthüllt jahrzehntelanges Versagen im Erzbistum Paderborn bei Missbrauchsfällen
Horst FischerStudie klärt sexuellen Missbrauch in der Erzdiözese Paderborn - Studie enthüllt jahrzehntelanges Versagen im Erzbistum Paderborn bei Missbrauchsfällen
Eine neu veröffentlichte unabhängige Studie hat systematische Versäumnisse im Erzbistum Paderborn aufgedeckt. Die Forscher fanden heraus, dass Kardinäle wiederholt Täter deckten und Opfer sexualisierter Gewalt ignorierten. Die Untersuchung umfasst einen Zeitraum von über acht Jahrzehnten – von 1941 bis 2022.
Die Studie analysiert das Erzbistum Paderborn, das sich über Nordrhein-Westfalen erstreckt – von Minden bis Siegen und von Herne bis Höxter. Es zählt 1,3 Millionen Katholiken. Im Fokus standen die Amtszeiten der Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt, die das Erzbistum während des untersuchten Zeitraums leiteten.
Die Ergebnisse zeigen ein Muster der Täterschutzes bei gleichzeitiger Missachtung der Geschädigten. Ursprünglich sollte der Bericht bereits früher veröffentlicht werden, doch seine Veröffentlichung verschob sich auf 2026. Gründe für die Verzögerung waren die COVID-19-Pandemie sowie die Entdeckung eines weitaus größeren Umfangs an Quellenmaterial als erwartet.
In einer zweiten Phase wird nun die Amtszeit von Erzbischof emeritus Hans-Josef Becker untersucht, der von 2002 bis 2022 im Amt war. Das Erzbistum hat bisher keine direkte Stellungnahme zu den Erkenntnissen der Studie abgegeben. Zwar verweisen allgemeine Dokumente auf Präventionsmaßnahmen und Schutzrichtlinien, konkrete Schritte in Bezug auf diesen Bericht wurden jedoch noch nicht angekündigt.
Der Bericht legt jahrzehntelanges institutionelles Versagen im Erzbistum offen. Durch die verzögerte Veröffentlichung wird die weitere Aufarbeitung mindestens bis 2026 andauern. Die Ergebnisse verstärken die anhaltenden Forderungen nach Rechenschaftspflicht im Umgang der katholischen Kirche mit Missbrauchsfällen.