17 January 2026, 13:44

Theologe warnt vor gefährlicher Vermischung von Christentum und Rechtsextremismus

Ein Mann hält ein Buch mit dem Titel "Eine Religion besteht aus praktischen und spirituellen Elementen" hoch, das als Leitfaden für spirituelle Überzeugungen dient.

Präses Latzel warnt vor politischer Missbrauch des Glaubens - Theologe warnt vor gefährlicher Vermischung von Christentum und Rechtsextremismus

Thorsten Latzel, der führende Theologe der zweitgrößten protestantischen Kirche Deutschlands, hat vor der zunehmenden Vermischung von Religion und rechtsextremer Politik gewarnt. Auf der Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland kritisierte er den Aufstieg nationalistisch geprägter christlicher Bewegungen in den USA und Deutschland. Die welt, an der rund 2,1 Millionen Mitglieder teilnehmen, dauert bis Dienstag, den 20. Januar 2026.

Ein großer Teil von Latzels Rede konzentrierte sich auf die USA, wo er evangelikale Christen dafür verurteilte, sich mit Donald Trump zu verbünden. Er argumentierte, Trumps Image als „messianischer Retter“ verzerre christliche Werte, und erklärte: „Jesus ist kein Garant nationalistischer Politik. Es gilt nicht ‚Macht geht vor Recht‘.“ Seine Kritik richtete sich auch gegen den US-Vizepräsidenten JD Vance, der theologische Argumente nutzt, um harte Migrationspolitik zu rechtfertigen.

Mit Blick auf die welt warnte Latzel vor einem ähnlichen Trend unter „christlichen Influencern“, die rechtspopulistische Parteien wie die AfD unterstützen. Dies bezeichnete er als eine „gefährliche Verschmelzung von Politik, Populismus und Religion“, die an Einfluss gewinnen könnte. Der Theologe wies zudem die Behauptung zurück, Imperialismus oder Nationalismus ließen sich jemals mit christlicher Lehre vereinbaren, und nannte sie Ausdruck menschlicher Habgier. Latzel erweiterte seine Kritik auf globale Themen und prangerte das Wettrüsten an, das Ressourcen von Klimaschutz und Armutsbekämpfung abziehe. Er forderte einen Wandel weg von der „Militarisierung des Denkens“ hin zu einer stärkeren Konfliktprävention. Frieden müsse wieder absolute Priorität erhalten, betonte er.

Die Synode endet am Dienstag; Latzels Warnungen unterstreichen die tiefen Sorgen darüber, dass der Glaube zur Rechtfertigung politischer Extremismen instrumentalisiert wird. Sein Appell für eine erneuerte Konzentration auf Frieden und soziale Gerechtigkeit spiegelt die breiteren Debatten innerhalb der Kirche über ihre Rolle in der modernen Politik wider. Die Evangelische Kirche im Rheinland, die über zwei Millionen Mitglieder vertritt, steht nun vor der Frage, wie sie diese Herausforderungen in Zukunft angehen wird.