Totensonntag in Deutschland: Warum der VfL Bochum auf seine Hymne verzichtete
Hans-Theo KuhlTotensonntag in Deutschland: Warum der VfL Bochum auf seine Hymne verzichtete
Deutschland beging am vergangenen Sonntag den evangelischen Buß- und Bettag *Totensonntag
Der Tag zählt zu den sogenannten stillen Feiertagen, an denen gesetzlich Unterhaltungsveranstaltungen eingeschränkt sind. In diesem Jahr betrafen die Regelungen unter anderem einen örtlichen Fußballverein, den VfL Bochum, sowie öffentliche Veranstaltungen im ganzen Land.
Am Totensonntag herrscht in Deutschland eine staatlich verordnete Feierlichkeit – doch die Gründe für diese Tradition bleiben umstritten. In Nordrhein-Westfalen sind bis 18 Uhr alle Unterhaltungsprogramme verboten, darunter Musik und öffentliche Aufführungen.
Die U23-Mannschaft des VfL Bochum trat an diesem Abend um 18 Uhr gegen den FC Gütersloh an. Vor dem Spiel verzichtete der Verein auf die übliche Abspielung seiner Hymne Bochum, um den Vorgaben des Feiertags gerecht zu werden. Das Unterhaltungsverbot erstreckt sich auch auf andere Medien: Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft hatte in der Vergangenheit bereits über 750 Filme an Karfreitag gesperrt, darunter Das Leben des Brian und Heidi in den Bergen.
Doch die Sonderstellung der Kirchen in Deutschland geht über solche Regelungen hinaus. Die Finanzbehörden erheben für sie die Kirchensteuer, und Geistliche sind in Rundfunkräten vertreten. Diese Privilegien unterstreichen die enge Verzahnung von Religion und Staat im Land.
Für die Fans des VfL Bochum bedeutete der Totensonntag dieses Jahr: keine Musik vor dem Spiel. Die gesetzlich vorgeschriebene ruhige Atmosphäre wurde gewahrt. Während der Sinn des Tages diskutiert wird, ist seine Wirkung auf das öffentliche Leben unübersehbar – vom Fußballstadion bis zur Kinoleinwand.