Warum kaum noch Bayern ihre Landeshymne mitsingen können
Viele Bayern kennen den Text ihrer eigenen Landeshymne nicht mehr auswendig. Eine aktuelle Initiative zur Wiederbelebung des Liedes hat gezeigt, wie wenige über die erste Zeile hinaus Bescheid wissen. Der Einsatz für das Bayernlied schaffte es sogar vor Jahrzehnten ins Guinness-Buch der Rekorde.
1983 verteilte Rudolf Hierl, CSU-Mitglied und Münchner Stadtrat, über eine halbe Million Karten mit dem gedruckten Text des Bayernlieds. Seine Kampagne sollte den Bürgern helfen, die Hymne auswendig zu lernen. Die massenhafte Verteilung brachte ihm noch im selben Jahr einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde ein.
Das Problem vergessener Hymnen ist dabei kein rein bayerisches Phänomen. Der ehemalige Ministerpräsident Markus Söder gab einst zu, die Worte der Europahymne möglicherweise nicht zu kennen. Anders als nationale oder regionale Lieder wird die Europahymne – Beethovens Ode an die Freude – ohnehin ohne Text aufgeführt. Allein ihre Melodie steht für Ideale wie Freiheit, Frieden und Einheit. Hierl, von Beruf Schlossermeister, widmete jahrelang seine Energie der Förderung bayerischer Kultursymbole. Sein rekordverdächtiger Einsatz zählt bis heute zu den größten Basisbewegungen für eine Hymne in der deutschen Geschichte.
Trotz früherer Versuche, das Bayernlied am Leben zu halten, schwindet seine Popularität weiter. Die eine halbe Million Karten Hierls bleiben eine Mahnung, wie schnell Traditionen in Vergessenheit geraten können. Die Europahymne hingegen setzt nach wie vor auf ihre wortlose Melodie, um ihre Botschaft über Grenzen hinweg zu tragen.