Warum sich im deutschen Profifußball noch immer kein Spieler als queer outet
Ariane HolzapfelWarum sich im deutschen Profifußball noch immer kein Spieler als queer outet
In den drei höchsten Männer-Ligen Deutschlands hat sich noch nie ein aktiver Profifußballer als LGBTQ+ geoutet. Zwar gaben ehemalige Spieler wie Thomas Hitzlsperger ihre sexuelle Orientierung nach ihrer Karriere bekannt, doch die Abwesenheit offen queerer Athleten bleibt auffällig. Selbst unter Funktionären haben sich bisher nur wenige öffentlich geäußert – darunter der Amateur-Schiedsrichter Pascal Kaiser, der sich 2022 als bisexuell outete.
Kaiser machte seine Sexualität vor zwei Jahren erstmals öffentlich und erhielt daraufhin breite Unterstützung – vom Schiedsrichterausschuss, seinem Verein und dem Brandenburgischen Fußballverband. Seitdem leitet er Spiele in der Regionalliga und engagiert sich gleichzeitig gegen Homophobie im Fußball.
Ein viel beachteter Moment war sein Heiratsantrag an seinen Partner Moritz im Kölner Stadion vor fast 50.000 Zuschauern. Doch die öffentliche Geste hatte auch Folgen: Seine Privatadresse wurde online verbreitet, sodass er unter Polizeischutz gestellt werden musste.
Erst kürzlich wurde Kaiser bei einem Vorfall schwer verletzt – ob es sich um einen homophoben Angriff oder eine Auseinandersetzung mit einem Gastwirt handelte, ist noch unklar. Die Ermittlungen der Behörden laufen noch.
Kaisers Erlebnisse zeigen sowohl Fortschritte als auch anhaltende Risiken für LGBTQ+-Personen im deutschen Fußball. Trotz Rückschlägen setzt er sich weiterhin für mehr Akzeptanz ein, während in den Profiligen nach wie vor kein einziger offen queerer Spieler aktiv ist. Die fehlende Repräsentation unterstreicht die anhaltenden Herausforderungen für Inklusion im Sport.