Wasserstoffbranche kämpft mit schwacher Nachfrage und Kursverlusten
Horst FischerWasserstoffbranche kämpft mit schwacher Nachfrage und Kursverlusten
Die Wasserstoffbranche steht vor neuen Herausforderungen, da wichtige Akteure mit schwacher Nachfrage und betrieblichen Rückschlägen kämpfen. Während einige Unternehmen an ihren langfristigen Plänen festhalten, leiden andere unter fallenden Aktienkursen und stockenden Projekten. Aktuelle Entwicklungen zeigen sowohl hartnäckigen Optimismus als auch wachsende Zweifel an den kurzfristigen Aussichten der Branche.
Der norwegische Konzern Nel ASA sieht sich mit einem Aktienkurs konfrontiert, der nur knapp über dem Rekordtief von 0,17 Euro liegt – obwohl Wasserstoff nach wie vor das Kerngeschäft des Unternehmens bleibt. Eine kleine Gruppe von Investoren hält dem Unternehmen weiterhin die Treue, doch schwache Auftragseingänge und schrumpfende Umsätze belasten die Performance stark. Am Montag eröffnete die Aktie in Stuttgart mit einem Plus von 2,5 Prozent bei 0,192 Euro – ein seltener Lichtblick inmitten allgemeiner Unsicherheit.
In Deutschland hat die städtische Abfallwirtschaft in Bielefeld Spott geerntet, weil ihre wasserstoffbetriebenen Müllfahrzeuge wegen Treibstoffmangels stillstehen. Lokale Verantwortliche winken die Probleme jedoch als Kinderkrankheiten ab und betonen, man bleibe der Wasserstofftechnologie verpflichtet.
Unterdessen fielen die Aktien des US-Unternehmens Bloom Energy am Freitag um 1,7 Prozent auf 154,51 Dollar, womit eine längere Aufwärtsbewegung endete. Das Unternehmen hatte zwar im vergangenen Jahr einen großen Brennstoffzellen-Auftrag von Oracle an Land gezogen, doch die Hoffnungen auf Folgeaufträge haben sich verflüchtigt – die Anleger zeigen sich zunehmend desinteressiert. Der britische Anbieter ITM Power kündigte zwar eine finale Investitionsentscheidung für ein weiteres Großprojekt an, steht aber unter ständigem Druck, greifbare Ergebnisse vorzuweisen, um weitere Kursverluste zu verhindern.
Über den Wasserstoffsektor hinaus mehren sich Sorgen über Überinvestitionen im KI-Bereich. Anleger fürchten, dass einige Unternehmen zu viel Kapital in unausgereifte Technologien gesteckt haben könnten, was die Marktunsicherheit zusätzlich schürt.
Die Wasserstoffbranche durchläuft eine schwierige Phase, in der Unternehmen wie Nel ASA und ITM Power unter Beweisdruck stehen. Bielefelds Probleme mit ungenutzten Wasserstofffahrzeugen stehen in krassem Gegensatz zum langfristigen Optimismus der Verantwortlichen. Zwar haben die durch geopolitische Spannungen ausgelösten Ölpreeis-Sprünge Inflationsängste geschürt, doch direkte strategische Anpassungen im Wasserstoffmarkt blieben bisher aus. Die kommenden Monate werden zeigen, ob es der Branche gelingt, den Optimismus in nachhaltigen Fortschritt umzumünzen.