Wie die AfD vom Randphänomen zur politischen Macht wurde – und was das über Deutschland verrät
Horst FischerWie die AfD vom Randphänomen zur politischen Macht wurde – und was das über Deutschland verrät
Die rechtspopulistische Partei Alternative für Deutschland (AfD) hat sich von einer euroskeptischen Gruppierung zu einer bedeutenden politischen Kraft entwickelt. 2013 gegründet, konzentrierte sie sich zunächst auf Kritik an der gemeinsamen Währung, verlagerte ihren Fokus jedoch nach der Flüchtlingskrise 2015 auf das Thema Migration. Dieser Wandel führte zwar zu inneren Spannungen, stärkte aber gleichzeitig ihre Wählerbasis – mit einem deutlichen Ergebnis bei der Bundestagswahl 2025, bei der Alice Weidel als Kanzlerkandidatin antrat.
Die AfD startete mit bescheidenen Ergebnissen: Bei der Bundestagswahl 2013 erreichte sie 4,7 Prozent – knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament. 2014 gelang ihr mit sieben Prozent bei der Europawahl der Durchbruch, der den Beginn ihres stetigen Aufstiegs markierte. Zwischen 2017 und 2020 wuchs die Unterstützung weiter, während die Partei in Landesparlamenten Fuß fasste, insbesondere in Ostdeutschland, aber auch in einigen westdeutschen Regionen wie Baden-Württemberg. Ihr Einfluss reichte über Wahlen hinaus und prägte die öffentliche Debatte zu Migration, EU-Politik und Medienkritik. Figuren wie Tino Chrupalla und Alice Weidel avancierten zu prägenden Köpfen der AfD-Bundestagsfraktion.
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat untersucht, warum Versuche, die AfD als inkompetent darzustellen, bei ihren Anhängern kein Vertrauen in die Demokratie zurückbringen. In seinem Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" erklärt er, wie misstrauische Menschen enge Netzwerke bilden, die ihr Skepsis gegenüber staatlichen Institutionen, Gerichten, Wissenschaft und Medien verstärken. Rechtspopulisten nutzen dieses Misstrauen gezielt aus und untergraben so das Vertrauen in die Säulen der Gesellschaft. Digitale Medien haben das Problem verschärft, indem sie Gleichgesinnten ermöglichen, sich leichter zu vernetzen und zu organisieren als je zuvor.
El-Mafaalani liefert mit seiner Analyse neue Perspektiven auf den Aufstieg des Rechtspopulismus – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Seine Arbeit wirft Licht auf Figuren wie Donald Trump und die wachsende Anziehungskraft der AfD. Peter Unfried, Chefredakteur des Magazins "FUTURZWEI", stellt die Frage, wie diesem Trend wirksam begegnet werden kann. El-Mafaalani schlägt alternative Strategien vor, die über herkömmliche Ansätze hinausgehen.
Der Wandel der AfD von einer randständigen euroskeptischen Gruppe zu einem einflussreichen politischen Akteur spiegelt tiefgreifendere Veränderungen im öffentlichen Vertrauen wider. El-Mafaalani zeigt auf, wie das Misstrauen gegenüber Institutionen die Unterstützung für populistische Bewegungen befeuert. Seine Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit neuer Wege, um das Vertrauen in die Demokratie zu stärken und der Attraktivität rechtspopulistischer Politik entgegenzuwirken.






