04 April 2026, 20:11

Wie die Bundesrepublik trotz Protesten die Bundeswehr gründete

Schwarzes und weißes Foto von zwei deutschen Soldaten in Uniform, die nebeneinander stehen und jeweils ein Gewehr halten, mit einem Wegweiser und Bäumen im Hintergrund.

Wie die Bundesrepublik trotz Protesten die Bundeswehr gründete

Der Weg der Bundesrepublik zur Wiederbewaffnung in den 1950er-Jahren war von heftigen Debatten und öffentlichem Widerstand geprägt. Die Idee einer neuen deutschen Armee entstand während des Koreakriegs, doch die Pläne stießen jahrelang auf Ablehnung. Proteste, verbotene Volksabstimmungen und prominente Petitionen begleiteten die langsame, aber entschlossene Gründung der Bundeswehr.

Der Druck zur deutschen Wiederbewaffnung begann Anfang der 1950er-Jahre, als der Koreakrieg Sorgen um die Verteidigung des Westens weckte. Bereits 1951 erwog die Regierung einen "deutschen Verteidigungsbeitrag", doch ein geplantes Volksbegehren dazu wurde vom Innenministerium schnell verboten. Im selben Jahr wurde die Freie Deutsche Jugend (FDJ), eine kommunistisch geprägte Jugendorganisation, die sich gegen die Remilitarisierung stellte, in Westdeutschland verboten.

Die Proteste nahmen an Fahrt auf, als Pläne für eine europäische Armee mit deutschen Truppen konkreter wurden. Viele Bürger fürchteten eine Rückkehr zum Militarismus so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Trotz des Widerstands trieb Theodor Blank, später erster Verteidigungsminister, die Pläne voran. Am 12. November 1955 ernannte er offiziell die ersten Offiziere und Unteroffiziere der künftigen Bundeswehr.

Die neue Armee machte im Januar 1956 erste konkrete Schritte, als sich die ersten Freiwilligen in Kasernen meldeten. Vier Monate später, am 1. April 1956, wurde der Name Bundeswehr offiziell eingeführt. Bis Juli wurde nach hitzigen Bundestagsdebatten die Wehrpflicht beschlossen.

Der Widerstand ließ nicht nach. 1957 unterzeichneten 18 führende Wissenschaftler, darunter der Theologe Martin Niemöller, das Göttinger Manifest gegen die atomare Bewaffnung der Bundeswehr. Ein Jahr später versammelte das Deutsche Manifest der Paulskirchen-Bewegung Hunderte prominente Persönlichkeiten aus Kirchen, Wissenschaft und Politik, um gegen die Bundeswehr und die NATO-Mitgliedschaft zu protestieren. Doch trotz anhaltender Kritik war die militärische Grundlage nun fest verankert.

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Die Bundeswehr entstand inmitten tiefer gesellschaftlicher Spaltungen, wobei die Proteste bis zu ihrer offiziellen Gründung anhielten. Öffentlicher Widerstand, rechtliche Verbote und intellektuelle Appelle konnten den Prozess nicht aufhalten. Ende der 1950er-Jahre verfügte Westdeutschland über eine stehende Armee – und eine Debatte über ihre Rolle, die sich über Jahrzehnte hinziehen sollte.

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