30 March 2026, 04:11

Wiesn-Gottesdienst: Wenn Bierbänke zu Kirchenbänken werden

Große Gruppe von Menschen an Tischen unter einem Zelt auf dem Oktoberfest in München, Deutschland, mit festlicher Dekoration im Hintergrund.

Wiesn-Gottesdienst: Wenn Bierbänke zu Kirchenbänken werden

Jedes Jahr bringt das Münchner Oktoberfest mehr als nur Bier und Bratwürste in die Stadt. Mittendrin im bunten Treiben sticht ein stiller, doch beeindruckender Brauch hervor: der Wiesn-Gottesdienst. Während der ersten Festwoche in der Marstall-Festhalle bietet er einen Moment der Besinnung im Herzen des Trubels.

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Doch was sich im Inneren des Bierzelts abspielt, hat wenig mit der sonstigen ausgelassenen Stimmung zu tun. Nur sechs Männer sitzen mit Getränken in der Hand beisammen und teilen sich Wein aus einem einzigen goldenen Kelch. Dort, wo sonst die Königlich Bayerische Vollgas-Orchester aufspielt, ertönt stattdessen ein Halleluja.

Der Gottesdienst zieht zahlreiche Besucher an, die gemeinsam stehend "Lobt den Herren!" singen. Ein Mann tritt ans Mikrofon und spricht: "Und führe uns nicht in Versuchung…" Seine Worte tragen durch das Zelt, eine Mischung aus Andacht und dem umgebenden Festtagslärm.

Diese ungewöhnliche Versammlung wirkt wie ein Dorf ohne festen Platz und ein Pfarrer ohne Kirche. Für einen Morgen werden die Bierbänke zu Kirchenbänken, die Festbesucher zur Gemeinde. Zwar gibt es in Deutschland jährlich rund 9.750 Volksfeste – doch dieser Gottesdienst bleibt ein einzigartiges Merkmal des Münchner Oktoberfests.

Mit Kirchenliedern, wo sonst Blasmusik dominiert, endet der Wiesn-Gottesdienst. Er hinterlässt bei den Teilnehmern einen seltenen Kontrast: eine spirituelle Pause mitten im größten Bierfest der Welt. Die Tradition lebt weiter und schenkt einen unerwarteten Einblick in Glauben und Gemeinschaft.

Quelle